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Skandal um Thomas Hirschorn im Centre Culturel Suisse in Paris.

Schweizer Städerat kürzt Budget der Pro Helvetica. Thomas Hirschhorns "Swiss-Swiss Democracy" Projekt im Pariser Centre Culturel Suisse sorgt in der Schweiz für erheblichen Wirbel. Am Samstag letzter Woche eröffnet, sah sich der Schweizer Ständerat am Dienstag bemüßigt im Sinne einer Strafaktion das Budget der Schweizer Auslandskultur "Pro Helvetica" um empfindliche 1 Millionen Franken zu kürzen. En bref: Thomas Hirschhorn besetzt das Schweizer Kulturinstitut in Paris von Dach bis Erdgeschoß in bekannter Manier: viel Klebeband, Altmöbelsammlung, Kopien, kleiner Bibliotheksbestand mit Denkern des Abendlandes; diesmal noch ergänzt um Klebeband-Berg-Modelle durch die Spiezeug-Eisenbahnen fahren, ergo: wir sind in der Schweiz. Inhaltlicher Schwerpunkt ist diesmal das Verhältnis der Eidgenossenschaft zur Demokratie, Auswüchse der Volksbefragungen, Regierungsbeteiligung der Populisten, Blocher und Co.- das ist dem unbefleckten Besucher nach zehn Räumen Hirschhorn mehr oder weniger klar. Wie immer verzichtet Hirschhorn auf einen geleiteten Diskurs, relevante Aussagen, sondern betätigt sich als Schwamm, der googelt. Was jetzt passiert, ist das was Hirschhorn seiner Arbeit auch zugrunde legt: die Vermengung der Mittel: Kunst bedient sich Methodiken der Politik und der Medien. Phrasen werden postuliert, Aussagen auf Schlagworte zusammengekürzt, Symbole und Rhetorik sind sinnstiftender als tatsächliche Inhalte. Und diesmal erreicht der Künstler sehr real die mehr oder weniger vage Adressierten, die Volksvertreter schlagen zurück. Polemisch, uninformiert, kurzsichtig. Genauso wenig wie Hirschhorn sich intensiver politikwissenschaftlicher Studien hingab, hat der Schweizer Ständerat sich mit der gegenwärtigen Kunstprodkution auseinandergesetzt - nicht Tatsachen, sondern die Polemik entscheidet. Ein Schulbeispiel für "Populism hurts!", ist doch die Konsequenz die Kürzung finanzieller Mittel. Dass die Entscheidung des Ständerates den viel größeren Skandal darstellt, als die Ausstellung, wird sich dieser Tage auch noch bis nach Bern rumsprechen. (Die Österreichische Regierung spart sich derartige Diskussionen, in dem es prophylaktisch Plattformen der Kunstpräsentation im Ausland, wie sie nationale Kulturforen darstellen, auflöst, siehe Paris.)
Mehr Texte von Ana Berlin

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Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
So ist es!
Turander Becht | 07.01.2005 20:49 | antworten
Wenn ein Mann vom Format Hirschhorn sich derzeit anschickt, so zu tun, als ob eine Politlandschaft nicht mehr hergäbe als das, was er in seinem aktuellen Projekt darstellt, so kann man sich als Mitmensch zweierlei fragen: erstens, wie fühlen ich und meine Mitmenschen dabei, und zweitens, was wollen wir unternehmen, damit so ein Kunstspiegel der politischen Stimmung künftig nicht wieder genauso ausfällt. Dabei kämen bei der ersten Frage sicherlich noch einige ungute Gefühle in Betracht, deren Ausbreitung nicht weiter interessant wären, denn was sich einzig lohnt auszuloten, ist, Frage zwei: die Zukunft kommt ja vielleicht - und damit es künftig nicht wieder so kommt - irgendeiner hat sich immer dafür her, ätzende Kritik anzupinseln - bestünde mindestens grundsätzlich die Möglichkeit, dass so eine Kritik angenommen wird. Dass unsere Politiker diese Kritik nicht annehmen, ist ein geradezu berauschender Erfolg für Hirschhorn, der damit die gegenwartsbezogene Nabelschau der Hardcore-Helvetismus-Narren beweist und deren Abwendung von eigentlicher Zukunftsarbeit kaum deutlicher machen könnte. Ein vernichtendes Ergebnis, Bern und "das Stimmvolk" hat sich vollkommen übertölpeln lassen. Nicht überraschend allerdings - denn schon die Einbürgerungsinitiative ergab doch, dass der Erörtung aktueller Befindlichkeiten klar der Vorrang gegeben wird, während eine Zukunftsausrichtung mit der lange überfälligen Integration unserer zunehmend isolierten Urschweizer in die ansonsten gut vernetzte Schweizer Gesellschaft einmal mehr aufgeschoben wurde. Man gerät nun doch ganz an den Rand der Nachdenklichkeit.

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