Ana Berlin,
Sons & Lumières: Music was my first love
In einer groß angelegten Schau widmet sich das Centre Pompidou dieser Tage der Korrelation von Klang und Licht zur bildenden Kunst des 20igsten Jahrhunderts. "Didaktisch wertvoll" könnte die Kurzkritik dazu lauten.
Die Anfänge werden mit Kandinskys Hommage "Impression III" an Arnold Schönberg um 1910 verortet. Farbe wird vom Zwang der Darstellung befreit und bewege sich, ähnlich dem Klang, gelöst durch den Raum, respektive auf die Leinwand. Der Idee des Gesamtkunstwerks folgend, bauen Verschiedene wie Baranoff-Rossiné oder Stanton McDonald-Wright oder auch Dadaist Raoul Haussmann Maschinen, die eine farbliche Entsprechung zu Tönen finden: "Optophonisches Klavier" und "Synchromes Kineidoscope" heißen diese dann. Andere wie der Konstruktivist Theo van Doesburg oder Francis Picabia fühlten sich vom Rhythmus inspiriert und malten in Referenz zu früher Jazz-Musik.
In den 30iger Jahren beginnt sich ein breiteres Publikum für die neuen Möglichkeiten von Bild und Ton zu interessieren, in der Ausstellung zusammengefasst unter dem Begriff "visuelle Musik". Sehr lustig hier der schwarz/weiß - Film "Study No 8" (1931) des deutschen Filmemachers Oskar Fischinger, der mit tanzenden Strichen ein Stück des später für die Disney Studios arbeitenden Komponisten Paul Dukas ver"anschaulicht". Obwohl es abstrakte Zeichen sind, assoziiert man sofort frühe Mickey Mouse Filme damit.
Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich dem Thema "Klang in seiner Materialität", will heißen: Klang sichtbar gemacht, mitunter durch das Zutun des Betrachters. Nam June Paiks "Prepared Televisions" (1963) sind zu sehen und Bill Violas "Hallway Nodes" (1972), zwei Lautsprecher, sich gegenüber stehend, erzeugen niedere Frequenzen, die einem physisch zusetzen. Psychedelisch mutet der Raum des Komponisten La Monte Young und der Künstlerin Marian Zazeela (1963) an: die Fensterscheiben sind pink überklebt, was Paris in rosa Licht taucht, dazu erklingen bewusstseinserweiternde Töne und naturgemäß ist das Ganze nur barfüssig zu erleben.
Der dritte Teil der Ausstellung nähert sich dem Thema mittels Infragestellung des Zusammenspiels von Ton und Bild. Natürliche Geräusche und Zufall stehen im Mittelpunkt der Klangerzeugung. Marcel Duchamps "Erratum musical" schlägt einen Kanon für drei Stimmen vor, der einer zufälligen Anordnung von Noten auf Zetteln folgt. Ebenso in diesem Teil, der nicht wegzudenkende John Cage, mit 4
33(1952) ein Silent Piece, das Platz schafft für alle nachfolgenden Komponisten- und Künstlergenerationen und für "the sounds of the world". Fluxus und Pop, Naumann und Beuys folgen. Später Rodney Graham und Pierre Huyghe, deren Arbeiten vermutlich exemplarisch und stellvertretend für die Tatsache zu sehen sind, dass auch in der heutigen Kunstproduktion Klang und Licht eine Rolle spielen. Und da kehren wir wieder zum Anfang zurück: "didaktisch wertvoll".
Mehr Texte von Ana Berlin
Sons & Lumières
22.09.2004 - 03.01.2005
Centre Pompidou
75191 Paris, Paris cedex 04
Tel: +33 (1) 44 78 12 33
http://www.centrepompidou.fr
Öffnungszeiten: täglich von 11.00 bis 21.00 Uhr
22.09.2004 - 03.01.2005
Centre Pompidou
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Öffnungszeiten: täglich von 11.00 bis 21.00 Uhr
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