Ana Berlin,
FIAC 2004: frisch innovativ aktionistisch cool
Über Jahrzehnte zu den Top-Messen zeitgenössischer Kunst zu zählen, ist keine Selbstverständlichkeit. Das wissen auch die Veranstalter im 31. Jahr der Pariser Messe FIAC (Foire internationale d
art contemporain). Ließen sich die Bemühungen um Verjüngung im letzten Jahr eher als Alibi-Aktivität beschreiben, blieb 2004 nichts unversucht. So gibt es diesmal eine ganz neue Halle für die Rubrik "Perspectives", sprich Projekte die spezifische Themen, künstlerische Einzelpositionen oder schwerpunktmäßig neue Medien präsentieren, außerdem die Abteilung "Future Quake" für die neuesten Entwicklungen am weltweiten Galerienhimmel, mit der Auflage seit mindestens drei Jahren im Geschäft zu sein und einer preislichen Obergrenze von 5.000 Euro. Weiters in dieser Halle unter dem Schlagwort "Art plus" sind erstmals Designlabels und Kunstinitiativen im weiteren Sinne vertreten, diese reichen von der Fondation Pompidou über das In-Geschäft Colette bis zu einem Stand der Viennafair. Selbstredend gibt es ein Round-Table Rahmenprogramm bei dem Modezaren wie Christian Lacroix, Kuratoren wie Lorand Hegyi und Hou Hanru, sowie Künstler beispielsweise Bertrand Lavier die Lage der Kunst erörtern. Und tatsächlich lässt sich hier noch Neues entdecken: bei der Pariser Galerie Eva Hober fällt ein großformatiges Frauenportrait mit fletschenden Zähnen vom 1975 in Teheran geborenen Axel Pahlavi um 5.000 Euro ins Auge. Bei der in Chelsea ansässigen New Yorker Galerie "Sixtyseven" zeigt die Engländerin Jane Benson Faschingsgirlanden im Camouflage-Look ebenfalls um rund 5.000. Subtiler angelegt sind Victoria Richs Fotoarbeiten in poetischer Unschärfe von durch Chemiefabriken ruinierten Landschaften, um 650 Euro. Herausragend ist eine Film-Arbeit des türkischen Modeschöpfers Hussain Chalayari gezeigt bei der Istanbuler Galerie "Galerist": in Traumsequenzen fliegt ein eiförmiges Objekt, eine Frau im Cocoon, durch Landschaften und Zeiten, bei einer Auflage von 6+1 um 20.000 Eur zu erwerben. Preiswerter und nicht minder anregend sind die Zeichnungen des Multimedia-Shooting Stars Haluk Akakçe ab 2.000. Wer big names zum klein(er)en Preis sucht, wird bei Galerie de multiples fündig: eine Bowling-Ausstattung (T-shirt, Tasche und Kugel ohne Loch) von Mike Kelley zu à 2.500 oder Daniel Buren, Streifen-Variation in großem Format für 7.000 Euro. In Halle zwei ist die Stimmung gediegener und die Liste lässt sich um renommierte Häuser vervollständigen: formvollendete Pieces von Anish Kapoor bei Lisson Gallery ab 175.000, Kendell Geers als Regal mit spitzer Scherbenverkleidung aus der Serie "Theatre of Cruelty" installiert bei der italienischen Galerie Continua um 50.000 oder großflächige Zeichnungen von Vanessa Beecroft um 23.000 Euro bei CosmicGalerie in Paris. Alles in allem lässt sich sagen, dass die Messe sehr gewonnen hat und die Innovations- Bemühungen nicht fehlschlagen sind, dennoch bleiben Ressentiments wie man im Gespräch mit den Galerien mitunter hört, denn trotz Publikumsansturm an allen fünf Tagen, bleiben Franzosen unter sich und internationale Kontakte sind die Minderheit. Was noch nicht ist, kann aber werden - in jedem Fall hat die FIAC das Rennen um die wichtigsten Messen wieder aufgenommen.
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