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Thomas Hirschhorn - 24h Foucault: Michel Foucault powered by Hirschhorn

Anlässlich der diesjährigen nuit blanche in Paris startete der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn sein groß angelegtes Foucalt Art Work - Projekt im Palais de Tokyo. Wie allerspätestens seit der letzten Documenta bekannt, sieht Hirschhorn es als seine Aufgabe, die Texte von Bataille über Arendt bis Deleuze oder jetzt Foucault an Mann und Frau, Kassler VorstädterIn oder Pariser MuseumsbesucherIn zu bringen. In weiters bekannter Low-Tech-Manier aus Karton, Klebeband und ausrangierten Polstermöbeln installiert er einen zehnteiligen Parcour mit Vortragssaal, Biblio- und Videothek, Werkstatt und Souvenir-Laden. Foucault als Wecker oder Jeansaufdruck, in deutscher, spanischer oder französischer Sprache publiziert, als TV-Doku oder als Google-Schlagwort, wie immer Sie sich Informationen aneignen, die Möglichkeit ist da, tun Sies jetzt! So brüllt es einem das Setting von allen Seiten zu. Für all diejenigen, die noch nie von Foucault gehört haben, findet sich an den Wänden außerdem des Philosophens Leben in Bildern, sprich: schwule Pornos, denn Merke: Foucault war homosexuell und Sex mitunter eines seiner Themen. Des Hirschhorns Universum wäre dem französischen Denker wohl ein Graus gewesen, bestand er doch stets auf Anonymität, um seinen Texten, Statements und Thesen weitestgehend Autonomie zu gewähren. Der geneigte Leser sollte möglichst unvoreingenommen das Geschriebene und von ihm Erdachte für sich entdecken. Nach eigener Aussage befindet Thomas Hirschhorn, dass das Werk und Leben von Michel Foucault Kunst ist und will, dass das Publikum endlich über die Macht der Kunst und die Macht der Philosophie (le pouvoir de lart, le pouvoir de la philosophie!) im Bilde ist. So ist nachzulesen im - für diesen Anlass publizierten MF-Journal - es gehe nicht ums Verstehen, sondern die Energie und Reichweite von Foucaults Denken will hier vermittelt sein. Der Künstler als Anwalt der Philosophie? Mehrwert, weil nicht nur Philosoph sondern Kunst? Das Projekt sucht gemessen an seiner überheblichen Naivität seines Gleichen. Ungenommen ist, dass Foucault, zwanzig Jahre nach seinem Tod, brisanter ist denn je; es ist unbestritten, dass Foucault nach Guantanamo genauso gehört wie ins St. Pöltner Priesterseminar oder zur zeitgenössischen Kunstrezeption. Foucault ist zu lesen, Punkt um. Ob die Hippness einer Kunst-Marketing-Maschinerie à la Hirschhorn oder Neu-Übersetzungen von Verlagen dazu anregen, ist dabei eigentlich unerheblich.
Mehr Texte von Ana Berlin

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Thomas Hirschhorn - 24h Foucault
02 - 03.10.2004

Palais de Tokyo
75116 Paris, 13 avenue du président Wilson
Tel: +33-1-4723 5401, Fax: +33-1-4720 1531
Email: cotact@palaisdetokyo.com
http://www.palaisdetokyo.com

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