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Nur ein Vorschlag:

Hin und wieder kommt immer wieder irgendwer und fordert ob der verloren gehenden Sprachkultur ein neu zu installierendes Unterrichtsfach Rhetorik und/oder Dialektik. Da wird dann darauf hingewiesen, dass schon die alten Römerkindergartenkinder in Rhetorik unterrichtet wurden, dass Brutus, der ehrenhafte Mann, so lange sprachartistisch ehrenhaft war, bis auch der letzte Antirhetoriker verstand, was damit gemeint war. Und so wie immer wieder irgendwer kam und forderte, lehnten die zuständigen MinisterInnen samt beamteten Anhang immer wieder aus den verschiedensten bis hin zu fadenscheinigsten Gründen ab. Und wie das bereits im Märchenumfeld üblich war, verlotterte die Sprachkultur mangels Rhetorik mehr und mehr. Und wenn sie ohnehin nicht schon gänzlich verlottert ist, dann verlottert sie eben spätestens morgen. Die Redekultur wird es tun, die Diskussionskultur wird es tun, die Streitkultur wird es tun, die Fähigkeit des Zuhörens wird es tun und die Fähigkeit des Erklärens und Interpretierens werden es auch tun. Aber wie es das Schicksal so will, trifft die Sprachunkultur die PolitikerInnen am schlimmsten. Aber gerade die hätten eine ausgefeilte Rhetorik ganz besonders notwendig gehabt. Und sei es auch nur deshalb, um zu verhindern, dass dieser Berufsstand mehr und mehr an Ansehen verliert. So sind die armen Politiker schon von einfachen Erklärungen überfordert. Die selben sprechen vom selben nur scheinbar das selbe und wundern sich ausgiebig, dass sich das selbe nicht nur nicht ins gleiche sondern gleich auch noch ins Gegenteil verkehrt. Man denke z.B. nur an die Erklärungsverwindungen der PolitikerInnen betreffend EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei Wenn dann vom vermeintlich Missinterpretierten eine "Unschärfe der Wiedergabe" bejammert wird, ist diese meistens ja nur Folge einer Unschärfe der Aussage. Also ich bin zumindest für einen PolitikerInnenlehrgang in Rhetorik und/oder Dialektik. Vielleicht sogar in der Mittagspause während der Parlamentssitzungen.

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