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Biennale Internazionale dell’Antiquariato di Firenze: Von antik bis zeitgenössisch

Hier irrt Goethe! Wie um ihre Expertise wenigstens irgendwie unter Beweis zu stellen, fordert die Expertenkommission der Biennale Internazionale dell'Antiquariato di Firenze (kurz BIAF) von der Galerie Tornabuoni (u.a. Florenz und Paris) die mit Chanel-Produkten geschminkte Marmorbüste "J'adore Clytie“ von Francesco Vezzoli korrekt zu bezeichnen: Die Büste stamme aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und nicht aus der zweiten Hälfte des 19. Tatsächlich handelt es sich eben um ein zeitgenössisches Kunstwerk aus dem Jahr 2020. Die Marmorbüste ist nur Material für die Skulptur und kein eigenständiges Werk, die Zeitangabe also Nebensache. An diesem Punkt zeigen sich – wie bei allen Messen für Kunst und Antiquitäten – die Grenzen dieser Gremien. Ihre Expertise endet kurz vor der Zeitgenossenschaft. So bleibt es den Galerien selbst überlassen, welche aktuellen Positionen sie mitbringen. Bei der Galleria Continua (u.a. San Gimignano, Paris, Peking) sind das immerhin die verstörend körperlichen Skulpturen von Berlinde De Bruyckere - aber auch im Kabinett kleine Bilder aus Legosteinen von Ai Weiwei aus 100er-Auflagen, die nicht unbedingt als Highlight gelten müssen.

Vetting, also die fachliche Beurteilung auf Zustand, Echtheit, Sammelwürdigkeit und gegebenenfalls Provenienz ist ein unverzichtbares Element einer Prestigemesse für Kunst und Antiquitäten. In Florenz besteht das Komitee aus 64 Personen. Ihm gehören Wissenschaftler:innen und Museumsleute an, aber auch Händler:innen, die selbst nicht an der Messe teilnehmen. Die Qualitätswächter sind für Kunstmessen auch von Bedeutung, weil sie gleichzeitig potenzielle Einkäufer für ihre Institutionen sind. Die Tefaf in Maastricht ist auf diesem Feld unschlagbar, weil über 200 Expert:innen das Angebot prüfen. Allerdings wird das Angebot auf der Königin der Messen in 30 Sparten aufgeteilt, auf der Biaf sind es nur drei: Malerei, Skulptur sowie Möbel und Kunsthandwerk. Und die allermeisten Objekte stammen auch aus Italien oder haben einen Italienbezug.

Ebenso stammen die meisten Ausstellenden aus Italien, inklusive einiger Teilnehmer mit Sitz etwa in London. Auf der Vernissage ist neben Italienisch auch Amerikanisch, Französisch, Spanisch und vereinzelt auch Deutsch zu hören. Die Sammler:innen kommen aus aller Welt. In 34 Ausgaben hat sich die Veranstaltung zum führenden Marktplatz für italienische Kunst und Antiquitäten entwickelt. Das hatte in der jüngeren Vergangenheit auch etwas mit der restriktiven Politik Roms zu tun. Doch in dieser Beziehung hat sich einiges geändert.

Bruno Botticelli, Leiter der Messe und des Händlerverbands Associazione Antiquari d'Italia AAI, erklärt im Gespräch, die sehr strengen Exportbestimmungen habe der Verband im Dialog mit der Politik verbessern können. Für Kunstwerke bis 50.000 Euro sei das Verfahren wesentlich einfacher geworden. Nach seiner Erfahrung seien auch darüber 99 Prozent der Werke exportierbar. Die neuen Steuererleichterungen für reiche Ausländer:innen, die sich in Italien niederlassen, seien für den Kunsthandel ebenfalls hilfreich.

Zu den echten Entdeckungen, für die die BIAF immer gut ist. Gehört ein kleines Kruzifix, das Fabio Mearini aus Perugia in einer Privatsammlung in Brescia aufgetan hat. Bei dem Christus aus Wachs lässt sich der Brustkorb wie eine kleine Schranktür öffnen, um den Blick auf das anatomisch völlig unkorrekte Innere freizugeben. Von dieser bizarren Form der Andachtskunst sind lediglich 20 Beispiele in der Forschung nachgewiesen – und sie stammen aus ganz Europa von Portugal, über Deutschland bis nach Italien. Mit einem Preis von 22.000 Euro ist das Werk sogar problemlos exportierbar. Etwas schwieriger dürfte das bei einer Büste des österreichischen Kaisers Joseph II. aus Biskuitporzellan von Anton Matthias Grassi sein, die Tettamanti Antichità aus Florenz präsentiert. Ihren Preis möchte er – italienischen Gepflogenheiten folgend – lieber nicht publiziert sehen. Die genehmigungsfreie Exportschwelle von 50.000 Euro reißt sie jedoch locker. Weniger Probleme dürfte es bei den zahlreichen Gemälden von Giovanni Boldini geben. Meistens handelt es sich um Damenportraits, von durchaus gemischter Qualität. Attraktiv und repräsentativ sind sie auf alle Fälle. Doch die interessanteren Objekte sind zumeist älter und dieser Breite wohl nur hier zu finden.

Mehr Texte von Stefan Kobel

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Biennale Internazionale dell’Antiquariato di Firenze
26.09. - 04.10.2026

Palazzo Corsini
Florenz, Lungarno Corsini
https://www.biaf.it
Öffnungszeiten: täglich 10:30 - 20 h

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