Die Preisträger:innen der Outstanding Artist Awards 2026
Das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport vergibt jedes Jahr den Outstanding Artist Award an Künstler:innen, deren eigenständiges und bedeutendes Gesamtwerk besondere Anerkennung verdient. Ausgezeichnet werden Kunstschaffende, deren Arbeiten über die österreichischen Grenzen hinaus Wirkung entfalten und durch ihre künstlerische Qualität und Relevanz hervorstechen. Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Preis wird in unterschiedlichen künstlerischen Sparten verliehen. Die Ermittlung der Preisträger:innen obliegt unabhängigen Fachjurys. Die Preisverleihung findet am 26. November in Wien statt.
Die Preisträger:innen:
Cäcilia Brown (Bildende Kunst)
Cäcilia Brown erweitert in ihrer künstlerischen Praxis die Möglichkeit der Bildhauerei, indem sie Material, Raum und Umwelt auf ungewöhnliche Weise miteinander in Beziehung setzt. Sie untersucht menschliche Körperformen in Relation zu Architektur und thematisiert kollektive Prozesse und Ordnungen, die in Systemen von Bauwerken und industriellen Produktionsweisen eingeschrieben sind. Ihre Skulpturen und Installationen bespielen den Raum mit großer konzeptueller Kraft. Sie entwickeln sich aus dem öffentlichen Raum und seinen persönlichen Spuren, die Cäcilia Brown aufgreift, sichtbarmacht und in ihre künstlerische Arbeit überführt.
Miriam Bajtala (Innovativer Film)
Miriam Bajtala steht für eine unverwechselbare künstlerische Handschrift und formale Konsequenz, mit denen sie die Möglichkeiten des Films erweitert und gesellschaftlich relevante Themen in eine eigenständige ästhetische Filmsprache übersetzt. Viele ihrer Filme zeigen, wer gehört und gesehen wird und wie Bilder soziale Ungleichheiten beeinflussen. Dabei macht sie auch unsichtbare Arbeit, wie Carearbeit, migrantische und künstlerische Arbeit und deren strukturelle Bedingungen, sichtbar. Besonders ihr jüngster Film Becoming Outline beeindruckt und berührt zugleich. Bajtala verbindet autobiografisches Material mit performativen Elementen zu einer außergewöhnlichen filmischen Erfahrung. Fragen von Herkunft, Migration, Klassenzugehörigkeit, weiblicher Sozialisation und Identität werden in Becoming Outline nicht nur erzählt, sondern durch Bildkomposition, Montage, Materialität und bewusste Leerstellen erfahrbar gemacht. Im Film kreiert sie Räume, die zunächst leer erscheinen, und macht in ihnen soziale, historische und körperliche Spuren und Einschreibungen spürbar. So werden persönliche Erinnerungen zu einer Reflexion über gesellschaftliche Verhältnisse.
Michaela Konrad (Karikatur und Comics)
Die multimedial arbeitende Künstlerin Michaela Konrad bewegt sich souverän zwischen Sci-Fi, Pop Art, Comic und Karikatur. In ihren Bildern begegnen sich Mid-Century-Ästhetik und zeitgenössische Perspektiven. Kunsthistorische Zitate werden dabei nicht nostalgisch eingesetzt, sondern treten in einen lebendigen Dialog mit dem Medium Comic und aktuellen Fragestellungen. Konrads Werke funktionieren nicht nur im publizistischen Kontext, sondern überzeugen ebenso im Ausstellungsraum – zuletzt eindrucksvoll in der Albertina modern und im Museum Wilhelm Busch in Hannover. Durch den klugen Einsatz der Augmented-Reality-Plattform Artivive erweitert die Künstlerin ihre Arbeiten in den Raum und bewirkt hierdurch eine Intensivierung des Eindrucks ihrer analogen Zeichnungen. Ihre Arbeiten verbinden humorvolle Schärfe mit gesellschaftlicher Relevanz und greifen politische wie kulturelle Themen pointiert auf.
Julia Gaisbacher (Künstlerische Fotografie)
In ihrer künstlerischen Praxis untersucht Julia Gaisbacher Wohn- und Lebensräume als historisch gewachsene und gesellschaftlich geprägte Orte. Ausgehend von der Fotografie verbindet sie umfassende Recherchen mit langfristigen Beobachtungen und macht dabei das Zusammenspiel von Architektur, Erinnerung und menschlichen Lebenswelten sichtbar. Ihre Arbeiten umfassen Fotografien, Installationen, Filme und Fotobücher, die einen zentralen Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis bilden und vielfach ausgezeichnet wurden. Dazu zählen One Day You Will Miss Me (Camera Austria, 2021) das sich mit urbanen Transformationsprozessen in Belgrad auseinandersetzt, My Dreamhouse is not a House (The Velvet Cell, 2023) über den Grazer Architekten Eilfried Huth und den sozialen Wohnbau seit den 1970-er Jahren sowie Hanne Darboven. Am Burgberg (Hatje Cantz Verlag, 2025), das in präzise komponierten Schwarz-Weiß-Fotografien dem Vermächtnis der deutschen Konzeptkünstlerin Hanne Darboven nachspürt. Julia Gaisbacher ist nicht nur künstlerisch hoch aktiv, sondern engagiert sich auch kontinuierlich für die österreichische Fotografieszene. Durch ihre Lehrtätigkeit an der Akademie der bildenden Künste Wien sowie ihre Mitarbeit in Fachinstitutionen wie Camera Austria leistet sie einen wichtigen Beitrag zum fotografischen Diskurs.
MAI LING – Verein zur Förderung von Zeitgenössischer, asiatischer Kunst und Kultur (Medienkunst)
Das Kollektiv Mai Ling, das über künstlerische Methoden an die Öffentlichkeit tritt, verfolgt einen konsequent transdisziplinären Ansatz und widmet sich dabei der in der Medienkunst von Beginn an bis heute brennenden Frage: Wie kann Kunst gesellschaftspolitisch wirksam werden? Wie geschieht dies in ernst gemeint herrschaftskritischer, gegenseitiger Bezogenheit aufeinander, abseits von Hierarchien zwischen Künstler:innen und Publikum, abseits von rassifizierenden, stereotypen Zuschreibungen und in Inanspruchnahme von gemeinsamer Handlungsmacht und geteilter Freude? Mai Ling arbeitet hier mit einem erweiterten Medienbegriff: Kochworkshops und Zusammenkünfte für somatisches Praktizieren sind ebenso präsent wie Video- und Audioinstallationen. Die für die Gruppe grundlegende kritische Auseinandersetzung mit Macht, Hierarchie und binären Epistemologien bleibt somit nicht rhetorische Geste, sondern wird zu gelebter, geteilter und erfahrbarer Praxis.
Weitere Preisträger:innen: Stefanie Sourial (Darstellende Kunst), Johanna Pichlbauer (Design), Nicola Johanna von Leffern & Jakob Carl Sauer (Regie-Duo) (Dokumentarfilm), materialnomaden gmbh (experimentelle Tendenzen in der Architektur), Lena Raubaum (Kinder- und Jugendliteratur), Kulturvereinigung Friedhofstraße 6 / Stadtwerkstatt (Kulturinitiativen), Carolina Schutti (Literatur), Eva Jantschitsch (Musik), SAGAN vienna (experimentelles Modedesign)
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Abbildung v.l.n.r
Cäcilia Brown (© Anthony Brown), Julia Gaisbacher (© Theresa Wey), Miriam Bajtala (© Joanna Pianka), Michaela Konrad (© Website)
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