Österreichischer Kunstpreis und Hans-Hollein-Kunstpreis 2026
Der Österreichische Kunstpreis und der Hans-Hollein Kunstpreis für Architektur werden jährlich vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport vergeben. Die Auszeichnungen werden erfolgreichen Persönlichkeiten des kulturellen Lebens, die mit einem umfassenden, international anerkannten Gesamtwerk hervorgetreten sind, zuerkannt. Die Auswahl der Preisträger:innen erfolgt durch eine Expert:innenjury. Die Preisverleihung findet am 26. November in Wien statt.
Die Preisträger:innen des Österreichischen Kunstpreises:
Milica Stojanović / „Milica Tomić“ (Bildende Kunst)
Milica Tomić befasst sich in ihrer forschungsbasierten künstlerischen Praxis mit den Zusammenhängen von Gewalt, Erinnerungspolitik und gesellschaftlicher Verantwortung, die sie in unterschiedlichen Medien und kollaborativen Prozessen eindrucksvoll sichtbar macht. Ihre Arbeiten, die Fotografie, Video, Installation und Performance mit gesellschafts- und bildungspolitischem Engagement verbinden, gewinnen gerade angesichts gegenwärtiger Kriegs- und Konflikterfahrungen besondere Relevanz und eröffnen neue Perspektiven im kulturellen und gesellschaftlichen Diskurs.
Dabei schafft sie bedeutende Bezugspunkte für die (ex-)jugoslawische Community und prägt durch ihr langjähriges Engagement künstlerische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen weit über ihr eigenes Werk hinaus. Viele ihrer Arbeiten entstehen in Zusammenarbeit mit Grupa Spomenik (Monument Group). Ihr Werk verbindet ästhetische Kraft mit kritischer Reflexion und zählt zu den bedeutendsten künstlerischen Positionen der Gegenwart.
Adelheid Harsieber (Künstlerische Fotografie)
Heidi Harsieber war 1970 die jüngste Berufsfotografin Österreichs und hat sich als Künstlerin und Frau einen fotografischen Raum erkämpft, der ihr lange bevor die Fotografie als Studienfach Einzug an den Kunstuniversitäten hielt, keineswegs selbstverständlich offenstand. Im Zentrum von Heidi Harsiebers künstlerischem Werk befindet sich der menschliche, meistens weibliche Körper. Gender und Begehren, Alter, Schmerz und Tod sind Leitmotive, die sie poetisch aber auch mit großer Klarheit ins Bild setzt. Harsiebers Selbstporträts wirken verletzlich und kraftvoll zugleich. Zu Recht zählt sie deshalb zu den wichtigsten österreichischen Vertreterinnen der feministischen Avantgarde gemäß ihrem ironischen Motto „Immer schön brav“ – dem Titel ihres ersten Fotobuches, das 2009 in der Fotohof Edition erschien.
Elisabeth Bakambamba Tambwe (Medienkunst)
Elisabeth Bakambamba Tambwe verbindet in ihrer künstlerischen Arbeit Performance, Film und Sound mit installativen, skulpturalen und diskursiven Ansätzen und eröffnet damit neue Perspektiven auf Identität, Zugehörigkeit und das Verhältnis zum anderen. Der medienkünstlerische Beitrag ihrer Praxis liegt nicht allein in der Verbindung unterschiedlicher Medien, sondern in der Reflexion von Medialität selbst.
Das Erkenntnispotenzial ebenso wie die Provokationskraft ihrer Arbeiten liegt in der fortwährenden Übersetzung von Themen und Fragestellungen in unterschiedliche mediale Konstellationen. Jede Transposition verändert ästhetische, soziale und politische Perspektiven auf unser Verständnis von Selbst und Fremd sowie auf die Dynamiken von Ablehnung und Begehren. Mit Salon Souterrain und dem Club Château Rouge entwickelt sie darüber hinaus seit vielen Jahren experimentelle Gefüge, in denen künstlerische und wissenschaftliche Positionen aufeinandertreffen und gemeinsame Formen der Wissensproduktion entstehen.
Verein SOHO in Ottakring (Kulturinitiativen)
Die Gründerin von SOHO in Ottakring, Ula Schneider, hatte zunächst die Idee, den Leerstand rund um den Brunnenmarkt künstlerisch zu nutzen. Über 14 Jahre hinweg zeigte SOHO in Ottakring, wie Kunst und Kultur neue Impulse in ein Stadtviertel bringen und dessen Entwicklung mitgestalten können.
2013 verlagerte SOHO seinen Schwerpunkt in das Gebiet rund um den Sandleitenhof, einem der großen Gemeindebauten des Roten Wien mit rund 4.500 Bewohner:innen. Die besondere soziale Struktur des Viertels eröffnete neue Möglichkeiten, Kunst und Kultur gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu entwickeln. 2021 führte diese Entwicklung zur Eröffnung der SOHO-Studios im ehemaligen Kino und Museum des Sandleitenhofs. Entstanden ist ein offener Kulturort, der Projekte aus der Nachbarschaft ebenso ermöglicht wie kuratierte Veranstaltungen und größere Ausstellungen zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen, darunter Klimawandel und Umweltzerstörung. SOHO verbindet damit künstlerischen Anspruch mit sozialer und politischer Verantwortung und schafft Räume, in denen unterschiedliche Menschen und Perspektiven zusammenkommen.
Weitere Preisträger:innen sind
Asli Kişlal (Darstellende Kunst), Ayub Kurdwin (Filmkunst), Michael Stavarič (Kinder- und Jugendliteratur), Eva Schmidt (Literatur), Michael Jarrell (Musik)
Preisträgerin des Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur 2026
feld72 architekten zt gmbh
Im kommenden Jahr feiert feld72 sein 25-jähriges Bestehen. Das Kollektiv hat Architektur stets über seine klassischen Grenzen hinausgedacht und verbindet Entwerfen mit Forschung, Lehre, Kunst und Publikation. Im Zentrum steht dabei das Sichtbarmachen räumlicher Potenziale, die Gemeinschaft und Solidarität fördern.
feld72 schaffen Räume, in denen das Physische und das Sinnliche eine organisatorische Tiefe entfalten und auf diese Weise unvermutete gesellschaftliche und ökologische Mehrwerte sowie inspirierende Figuren des Zusammenlebens in die Welt bringen. Die Suche nach dem Ort ist bei feld72 immer auch das Entdecken seiner geografischen Dimension.
Der diskursive Impuls wird bei feld72 stets in konkrete räumliche Praxis übersetzt: von der Gestaltung öffentlicher Sehnsuchtsorte du findest stadt (2002) über die Wiederbelebung eines süditalienischen Dorfes Million Donkey Hotel (2005) bis zu Interventionen im öffentlichen Raum Museum for Public Space (2015 und 2017) und nicht zuletzt ihrem aktuellen Labor für ein besseres Leben. Hier liegt der Fokus auf leistbarem Wohnen, sozialer Nachhaltigkeit und klimagerechtem Bauen.
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