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Volljährig

DC Open ist volljährig. In der mittlerweile 18. Ausgabe versammelt das gemeinsame Galeriewochenende von Köln 50 Galerien und knapp 20 Off-Spaces aus beiden Städten. Hinzu kommt als besonderes Highlight die Verleihung des Weststern Förderpreises für Kunstvereine. Die Verbindung leuchtet ein, denn Kunstvereine sind die Orte, an denen Künstler:innen in Deutschland meistens ihre erste institutionelle Ausstellung bekommen, nachdem sie zuvor in Galerien zu sehen waren. Die Auszeichnung ist eine private Initiative des Unternehmers Jan Fischer.  Sie ist eigentlich mit insgesamt 90.000 Euro dotiert und wird zum zweiten Mal an Kunstvereine aus Nordrhein-Westfalen in drei Kategorien vergeben. Der Kunstverein Siegen wird für sein Jahresprogramm geehrt (40.000 Euro), der Westfälsische Kunstverein in Münster für die Ausstellung „Voices of many Voices“ von Julia Heyward (30.000 Euro) sowie der Kunstverein Unna für sein gesellschaftliches Engagement (20.000 €). In diesem Jahr ist dann aber noch spontan eine mit 10.000 Euro dotierte „Besondere Anerkennung“ dazugekommen, mit der der NAK Neuer Aachener Kunstverein gewürdigt wird, dessen Programm „vielfältigen, insbesondere queeren künstlerischen Positionen Raum und Sichtbarkeit gibt“.

Die spektakulärste Präsentation ist sicher die Ausstellung „Chronic Inflammation“ von Emma Adler bei Martinetz in Köln. Eingang und Schaufenster der Galerie scheinen einem Brand zum Opfer gefallen zu sein. Alles wirkt verkohlt und über allem liegt ein starker Brandgeruch. Das ist zum Glück alles inszeniert, ebenso wie die verkohlten Handtaschen, die auf einer runden Tischkonstruktion eine Versammlung abzuhalten scheinen. Wahrscheinlich geht es darum, die von Männern über Jahrhunderte betriebene Verteufelung von Frauen zu beenden, die Adler in nur schemenhaft auf Aluminium gedruckten Abbildungen belegt. Im Untergeschoss der Galerie wird es gar endzeitlich. Die Kölnerin lässt zusammen mit dem Brüsseler Kollegen Tim Wouters das Künstlerduo Angélique Aubrit & Ludovic Beillard nach dem Zusammenbruch des Kapitalismus von sprechenden Wieseln in einem Keller eine neue Weltordnung entwerfen. Der Kölner Neuzugang Dittrich & Schlechtriem aus Berlin lässt in den zuletzt von Alix Flick bespielten Räumen Zuzanna Czebatul mit sehr großen Lebkuchenherzen fragen „In this Economy?“. Und vor der Galerie droht ein aufblasbarer Panzer. Radikal politisch wird es in der Galerie Nagel Draxler mit der Ausstellung „Memory Loss“ von Nadya Tolokonnikova, Mitbegründerin des feministischen Kollektivs Pussy Riot. Ihre Arbeiten verhandeln Macht, staatliche Repression, patriarchale Strukturen und die Rolle öffentlicher Sichtbarkeit. Im Format kleiner und an eher alltäglichen und privaten Themen interessiert ist Helena Parada Kim bei Martin Kudlek, deren so tiefgründige wie dekorative Gemälde zwischen 4.300 und 17.600 Euro kosten. Mit einem ganz großen Namen wartet Karsten Greve auf, der rund 50 Arbeiten von Louise Bourgeois zeigt, die zwischen 1947 und 2008 entstanden sind.

Vordergründig dekorativ sind auch die großformatigen Fotos, mit denen die aus Köln nach Düsseldorf gezogene Van der Grinten Galerie ihr Debüt in der Landeshauptstadt gibt. Die Portraits von Mannequins und Bodybuildern aus den 90ern Jahren hätten wahrscheinlich bei vielen Deutschen einen hohen Wiedererkennungswert, doch hat Valérie Belin seit zwei Jahrzehnten keine Galerievertretung in Deutschland. Daher dürfte ihre neue Serie „Le songe des idoles“ (11.500 bis 35.700 Euro) hierzulande überraschen. Eigentümlich vertraut, ohne es genau benennen zu können, wirken die neuen Gemälde von Tim Sandow (4.000 bis 16.000 Euro) bei der Galerie Droste Galladé, die an Bühnenszenen oder Filmstills erinnern, in einer Malweise, die klassisch wirkt, ohne es zu sein. Der Umstieg des Künstlers von Acryl auf Öl dürfte daran einen nicht geringen Anteil haben. Die RizzutoGallery überlässt ihren Galerieraum gleich ganz zwei Künstlern. Mattia Barbieri  und Metin Çelik (beide Jahrgang 1984) richten dort für das Wochenende ihr Atelier ein. Die in dieser Zeit geschaffenen Werken bilden die Ausstellung, die bis 24. Oktober zu sehen ist.

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Liste aller Ausstellungen unter ⤇ dc-open.de

Mehr Texte von Stefan Kobel

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