Gedenken und Gedanken
Ein Rundgang zu Ausstellungen in der sommerlichen Festspielstadt.
Der Jedermann ist mit der letzten Aufführung am 25. August endgültig auf der Bühne vor dem Dom gestorben, trotzdem lohnt sich ein Besuch der Festspielstadt für Fans der zeitgenössischen Kunst auch nach der Festspielsaison.
Den längsten Atem hat dabei der aus Irland stammende Maler Sean Scully, dessen Arbeiten noch bis Ende September in der Galerie Thaddaeus Ropac zu sehen sind. Scullys abstrakte, in den für ihn typischen Farbfeldern angeordnete Bildkonstruktionen bestechen einmal mehr durch sein subtiles Aneinandersetzen von Farbtönen. In einzelnen Gemälden wie La Grande Mer, 2024-26 finden sich außerdem Bezüge zu den Landschaften Irlands. Die sparsam gehängte Ausstellung lässt den einzelnen Werken angenehm viel Raum zur Betrachtung.
Auf ihre langjährige Geschichte besinnt sich die Galerie Mario Mauroner mit einer Gruppenausstellung von Werken spanischer Künstler:innen, mit denen die Galerie schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Werke der Klassiker Joan Hernández Pijuan und Jaume Plensa finden sich in der Ausstellung ebenso wie Werke der Künstlerinnen Paloma Navares, Carmen Calvo und Susy Gomez. Wer sich tiefer mit der Kunst Spaniens auseinandersetzen will, dem sei diese Ausstellung empfohlen.
Verlässt man die Galerie Mauroner und tritt auf den Residenzplatz, dann begegnet man dort sechs Bronzeskulpturen von Stephan Balkenhol. Sie stellen die Opernfiguren Figaro, Elektra, Don Giovanni, Turandot, Othello und Carmen dar. Allerdings verlieren sich die bis zu zwei Meter großen, auf Sockeln stehenden Skulpturen auf dem weitläufigen Platz zwischen Fiakern und Tourist:innen. Gerne denkt man da an das vergangene Jahr zurück, als der Katalane Jaume Plensa mit seinen bis zu elf Meter hohen Frauenköpfen dem Platz eine fast magische Aura verlieh.
Im Traklhaus, unweit des Residenzplatzes, stellen diesen Sommer Christian Kosmas Mayer und Pablo Martínez-Zárate (beide sind dieses Jahr auch Lektoren im Rahmen der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst Salzburg) aus, die Pflanzen als lebendige Träger von Erinnerung und Geschichte in den Blick rücken. Bei Christian Kosmas Mayer ist das etwa ein Ableger eines sogenannten Mondbaums. Vierunddreißig Mal umrundeten im Jahr 1971 Samen verschiedenster Baumarten den Mond als Teil der Apollo-14-Mission. Nach ihrer Rückkehr auf der Erde wurden die Samen zum Keimen gebracht und an verschiedenen Stellen in den USA gepflanzt. Die Mondbäume unterschieden sich auch nach längerer Zeit nicht von ihren auf der Erde gewachsenen Artgenossen. Heute sind nur noch wenige Mondbäume aus diesem Projekt dokumentiert und auffindbar. Bei Pablo Martínez-Zárate steht der Kaktus als lebendiges System von Erinnerung, Widerstandsfähigkeit und Transformation im Zentrum.
Das Museum der Moderne gedenkt in zwei Ausstellungen (am Mönchsberg und im Rupertinum) des in diesem Jahr verstorbenen Wahl-Salzburgers Georg Baselitz. Dazu gibt es eine sehr gut gestaltete Schau zum Werk der französischen Architektin, Designerin und Fotografin Charlotte Perriand, die ihre Karriere im Studio von Le Corbusier begann, später jedoch einen sehr eigenständigen, modernen Stil entwickelte. Daneben zeigt das Museum eine große Retrospektive des 1937 in der ehemaligen Tschechoslowakei geborenen Stano Filko. Eine etwas kleinere Schau war 2022 in der Halle für Kunst Steiermark zu sehen (⤇ das artmagazine berichtete).
In Österreich vertritt die Galerie Layr das Werk von Stano Filko, was uns wiederum zur Sommerausstellung der Galerie in Salzburg führt. Bereits zum zweiten Mal bespielt die Galerie die Andräkirche am Mirabellplatz. Matthias Noggler, der vor kurzem erst mit dem ⤇ RLB Kunstpreis ausgezeichnet wurde, greift in seinen großformatigen Bildern die Themen Macht und Gewalt auf indem er in seinen Darstellungen eine Pistole quasi seziert und deformiert. Die schwere Thematik kontert Noggler indem er mit einem Augenzwinkern kleinere eigene Werke zwischen die dauerhaft hängenden „modernen“ Bilder schmuggelt, die das liturgische Geschehen in der römisch-katholischen Kirche illustrieren.
Die Ausstellungen:
Galerie Thaddaeus Ropac
Sean Scully - To Feel
bis 26.09.2026
Mario Mauroner Contemporary Art Salzburg
Spanish Icons
bis 05.09.2026
kura-t kunstraum traklhaus
Under Other Suns
bis 12.09.2026
Museum der Moderne Salzburg Mönchsberg
Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie, Architektur
bis 13.09.26
Stano Filko. 12 Chakras of Becoming
bis 07.02.2027
Andräkirche
Matthias Noggler - The Uselessness of Defense
bis 30.08.2026
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