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Der amerikanische Fiebertraum

Die Amerikanisierung der Männer-Fußball-WM hatte vor allem die Auswirkung, dass man ständig warten musste. Auf das Spiel mitten in der Nacht, auf Wiederaufnahme des Spiels nach den Hydration-Breaks, darauf, welche korrupten Grausligkeiten Trumfantino sich wieder ausgedacht hat. Die Amerikanisierung hatte auch zur Auswirkung, dass es zum ersten mal eine Halbzeitshow im Finale gab. Sie war in gewisser Weise auch die Speerspitze das ganzen FIFA-Fiebertraumes, die dieses Turnier war.

Orchestriert wurde die elfminütige Extravaganza von Coldplay-Frontmann Chris Martin. Das letzte Mal relevant war der letzten Sommer, weil bei seinem Konzert eine Affäre des Amerikanischen Astronomer-CEO mit seiner CFO unfreiwillig über den Jumbotron, die große Stadionkamera, bekannt gegeben wurde (auch ein Fiebertraum).

Diesem Sommer stellte sich Chris Martin wohl auf die Seite der CEOs dieser Welt und plante als Director of Music eine peinliche, überstimulierende Unordnung aus K-Pop (BTS), Kinder-Core (Muppets) und Kinderchor, sowie Performances, deren Sinnhaftigkeit nicht ganz klar wurde (Madonna im Auto mit Ronaldo und Ronaldinho, Justin Bieber mit Klampfe und Ballade). Die einzige, der man das irgendwie abnehmen konnte, war Shakira (featuring Burna Boy). Sie hatte zwar mit “Dai Dai” einen bei weitem nicht so großen Hit wie bei der WM in Südafrika, doch steht sie seit “Waka Waka” unweigerlich mit der WM in Zusammenhang. Gekrönt wurde das Ganze mit einem riesigen Banner auf dem LOVE steht. Die Ironie war allen außer den Veranstaltenden peinlich bewusst. Sowieso fragt man sich, wie wenig Selbstreflexion wohl der neue Standard wird, auch wenn das seit Beginn der laufenden Amtsperiode Trumps leider keine Überraschung mehr ist. Der stellt sich nämlich auch noch völlig selbstverständlich in das Siegerfoto der Spanier. Von ihnen wird er zwar herausgeschnitten, dafür vom Internet in alle möglichen Szenarien hinein - zum Beispiel auf den Mond, da dürfte er gerne auch im echt hin. Alles in allem war die Halftimeshow so chaotisch und verlogen wie Amerika selber und in Verlängerung dessen auch wie das Turnier. Punkten konnte sie nur mit Shakira und Burna Boy - aus Kolumbien und Nigeria.

Mehr Texte von Veronika Metzger

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