RLB Kunstpreis 2026 geht an Matthias Noggler
Der RLB Kunstpreis wird seit 2004 alle zwei Jahre von einer wechselnden Fachjury vergeben und zählt zu den wichtigsten Förderpreisen für zeitgenössische Kunst in Tirol. Die offene Ausschreibung richtet sich an Kunstschaffende, die im Bundesland Tirol geboren sind oder hier ihren Hauptwohnsitz haben und nicht älter als 45 Jahre sind. Am RLB Kunstpreis 2026 nahmen insgesamt 95 Künstler:innen teil.
Mit dem Hauptpreis in der Höhe von 15.000 € wurde Matthias Noggler (* 1990 in Innsbruck, lebt in Berlin) ausgezeichnet. Die beiden mit jeweils 6.000 € dotierten Förderpreise erhielten Vik Bayer (* 1992 in Kufstein, lebt in Wien) und Simona Obholzer (*1982 in Neustift im Stubaital, lebt in Wien).
Die Bildwelt von Matthias Noggler entsteht aus einer intensiven Auseinandersetzung mit der visuellen Sprache der europäischen Moderne und ihrer Verflechtung mit sozialen, künstlerischen und politischen Bewegungen. Einflüsse des Fantastischen, mitunter auch des Sozialistischen Realismus sowie das Spiel zwischen surrealer Figuration, expressiver Abstraktion bis hin zu einer eigensinnig gebrochenen Pop Art prägen seine Malerei. Noggler verbindet dabei unterschiedliche Stile und Techniken – von Renaissancekompositionen und surrealen Architekturen bis zu Anklängen an Wandmalrei und Comic – zu einer unverwechselbaren Bildsprache.
Während sich frühere Arbeiten mit sozialen Konflikten und Gruppendynamiken auseinandersetzen, richten neuere Werkserien den Blick auf urbane Strukturen und Bildwelten der Popkultur. Dabei verhandelt Noggler Fragen von Individualisierung, Entfremdung und gesellschaftlicher Organisation in spätmodernen Konsumgesellschaften.
Matthias Noggler steht für eine eindrückliche Malerei, die ihre kunsthistorischen Bezüge bewusst sichtbar hält und eigenständig weiterentwickelt. Seine Arbeit zählt damit zu den prägnanten Positionen zeitgenössischer Malerei.
(Begründung der Jury)
Teil des Hauptpreises ist eine Einzelausstellung in Kooperation mit den Tiroler Landesmuseen. Aufgrund der laufenden Umbauarbeiten am Tiroler Landesmuseum Fer dinandeum ist diese derzeit für Herbst 2029 vorgesehen.
Vik Bayer überzeugt mit einer künstlerischen Praxis, die auf präziser Recherche basiert und ökologische wie gesellschaftliche Zusammenhänge differenziert analysiert. Das ZweiKanalVideo „Slo-mo visions of refusal of unfulfilled promises“ entstand in enger Zusammenarbeit mit Landwirt:innen, Forscher:innen, Aktivist:innen und lokalen Gemeinschaften und eröffnet Narrative, die etablierte Sichtweisen erweitern.
In Holzauge richtet sich der Blick auf den Fränkischen Wald, dessen monokulturelle Aufforstung im Zuge der Industrialisierung den Lebensraum heute besonders anfällig für Klimaveränderungen und Borkenkäferbefall macht.
Durch die Erprobung alternativer Organisationsformen – von solidarischen Ökonomien bis zu gemeinschaftsbasierten Produktionsweisen – setzt Bayer Impulse für soziologische und politische Diskurse. Die ästhetisch wie konzeptuell dichten Arbeiten thematisieren Nachhaltigkeit, den Umgang mit Ressourcen und mehr als menschliche Beziehungen. Sie eröffnen Räume, in denen kritisches Denken, kollektives Handeln und die Imagination zukünftiger ökologischer Realitäten produktiv zusammenfinden.
(Begründung der Jury)
Simona Obholzers künstlerische Praxis widmet sich der Inszenierung künstlicher Natur für Spiel und Freizeit und der Frage, wie Bilder unsere Wahrnehmung formen. Ob Rasenflächen oder virtuelle Landschaften – Natur erscheint bei ihr als gestaltete, normierte Oberfläche, in die sich ökologische, politische und ökonomische Prozesse einschreiben.
Themen wie Bodenversiegelung, Freizeitraumgestaltung, Standardisierung und Haptik in einer zunehmend digitalen Welt übersetzt die Künstlerin in präzise komponierte Bildräume. Ihre Filme und seriellen grafischen Arbeiten inszeniert Obholzer in kulissenhaft angelegten Rauminstallationen, die Sehgewohnheiten irritieren und den eigenen Standpunkt verschieben.
Im Zentrum steht die Frage, wie Bilder den Körper aktivieren und ein Bewusstsein für die eigene Präsenz erzeugen. Die Jury überzeugten die konzeptuelle Klarheit und formale Präzision von Simona Obholzers multimedialer Praxis.
(Begründung der Jury)
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