Eugen Lendl 1945 – 2026
Im Jahr 1986 eröffnete Eugen Lendl seine Galerie in der Gleisdorfergasse 4 in Graz. Seit diesem Zeitpunkt gab es in Graz einen Ort, wo sich die junge Avantgarde der Steiermark mit internationalen Künstler:innen messen konnte. Davor hatte Lendl bereits als Architekturstudent erste Ausstellungen organisiert und eine Galerie im heute nicht mehr existenten Café Schillerhof gegründet. Die Eröffnungsausstellung bestritt Lendl mit einer eher ungewöhnlichen Kombination von Zeichnungen Alfred Kubins und Bildern des jungen Josef Danner. Bald folgten die Künstler:inen der jüngeren Avantgarde wie Herbert Brandl, Franz West und Erwin Wurm. Danach stellte er früh die heute längst Etablierten der nächsten Generation wie Michael Kienzer, Werner Reiterer oder Ingeborg Strobl aus. Dazwischen setzte Lendl immer wieder Beispiele aus dem frühen 20. Jahrhundert wie Wilhelm Thöny oder Zoran Music, zeigte aber auch internationale Kunst z.B. von Roni Horn, Fred Sandback und Lawrence Weiner. Die aktuell im Kunsthaus Graz mit einer Ausstellung präsente Helen Chadwick, hatte ihre erste Ausstellung in der steirischen Landeshauptstadt bereits im Jahr 1993, eben bei Eugen Lendl. Im Jahr 2001 expandierte die Galerie in die Hans-Sachs-Gasse in der Grazer Innenstadt und zog schließlich „ums Eck“ in die Bürgergasse, wo im Frühjahr 2017 die letzte offizielle Ausstellung der Galerie Eugen Lendl gezeigt wurde.
Das umfangreiche Archiv des Galeristen war noch während der kürzlich über die Bühne gegangenen Grazer Galerientage Thema einer Ausstellung durch das sich das Künstler:innenduo Zweintopf „wühlte“ um die Ergebnisse ihrer Recherche in der Galerie Zimmermann Kratochwill zu präsentieren.
Diese Präsentation zeigte nochmals, welche Bedeutung Eugen Lendl für die Entwicklung der zeitgenössischen Kunstszene in Graz hatte. Nicht nur dass er maßgeblich daran beteiligt war, die ersten Galerientage im Jahr 2000 auf die Beine zu stellen, seine Begeisterung für zeitgenössische Kunst und sein Gespür für Qualität, das in seinem umfangreichen Wissen über Kunstgeschichte ruhte, machten ihn zu einem kompromisslosen Förderer vieler junger Künstler:innen – nicht selten bis an die Grenzen der finanziellen Möglichkeiten der Galerie. Dazwischen holte Lendl internationale Kunst in die Steiermark und prägte so auch einige der lokalen privaten Sammlungen nachhaltig. Seine Begeisterung für zeitgenössische Kunst pflegte Lendl bis zuletzt durch Ausstellungsbesuche und wer mit ihm ins Gespräch kam, wurde von dieser Leidenschaft angesteckt.
Am vergangenen Sonntag ist diese bedeutende Stimme für die Kunst in Graz für immer verstummt, Eugen Lendl verstarb im 81. Lebensjahr.
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