Deborah Sengl und Julian Opie: Von Rosen und anderen Köpfen
Hingerissen blickt man auf die durch wenige Horizontlinien definierte Landschaft an der Wand, während sich draußen, vor dem Fenster, die Kulisse des Rosentals vor das Auge schiebt. Juian Opie, vertreten durch die Wiener Galerie Krobath, ist zu Gast in Schloss Ebenau. Man versteht gut, dass hier, mit Aussicht auf einen der schönsten Flecken Kärntens, auch Landschaften des Künstlers in einen Paragone mit den topografischen Qualitäten treten. Doch geht es diesmal eigentlich um Porträts.
Es sind meist Menschen aus der Anonymität urbaner Situationen, vorbeilaufend, wartend, die Opie in einer prägnanten Reduzierung festhält. Flüchtige Begegnungen aufgenommen mit der Kamera, werden so lange vereinfacht, dass die Werke gleich Piktogrammen oder Verkehrsschildern, ebenso flüchtig rezipiert werden könnten. Dennoch bleiben diese dargestellten Menschen in individuellen Merkmalen unterscheid- und bisweilen erkennbar.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Galerie Krobath der Einladung nach Ebenau folgt, vor 15 Jahren bereits konnte man hier in das Werk multimediale Werk von Opie eintauchen, nun im Jubiläumssommer des 30-jährigen Bestehen des Standortes in Ebenau treffen die Porträts unter anderem auf zwei Serien mit lokalem Bezug von Deborah Sengl. Als Hommage an das Rosental und den Schlossgarten darf man „Lasst Rosen sprechen“ verstehen. Mit sicheren schwarzen Pinselstrichen, skizziert hier Sengl das Umfeld und den Körper von Persönlichkeiten der literarischen Welt, in deren Werk Rosen eine Rolle spielen. Wer würde da nicht an Gertrude Stein denken, an Antoine de Saint-Exupéry oder Rainer Maria Rilke? Das Konterfei allerdings wurde durch einen farbigen Blütenkopf ersetzt.
Bei der zweiten Serie „Kärntner ganz innen“ geht es wie bei Sengl gewohnt ganz tierisch zu. Kiki Kogelnik, Christine Lanvant, Maria Lassnig und Ingeborg Bachmann, allesamt herausragende Künstlerinnen mit Kärntner Herkunft werden hier gewürdigt. Diesmal sind das Umfeld und der Körper in schwarz-weißer Feinmanier gemalt, das Antlitz gegen ein Tier ersetzt, das in Verbindung mit der Arbeit der jeweiligen Künstlerin steht. Die Echse für Kogelnik, der Pfau für Lavant, der Tiger für Lassnig und schließlich der Bär für Bachmann.
Bei Opie reduziert und vereinfacht, bei Sengl verfremdet und kontextualisiert - das Zusammenspiel der beiden Positionen funktioniert erstaunlich gut, so gut, dass man sich womöglich im Vorfeld einen gemeinsamen Raum hätte überlegen können. Auch die zweite Auflage des Zusammenspiels der beiden Galerien scheint prächtig funktioniert zu haben. Zumindest streuen beide einander – Rosen.
21.06. - 23.08.2026
Galerie Judith Walker Schloss Ebenau
9162 Weizelsdorf, Schloß Ebenau/Rosental
Tel: +43 (0) 463 21305, 0664 345 32 80, Fax: +43 (0) 463 35 014
Email: office@galerie-walker.at
http://www.galerie-walker.at
Öffnungszeiten: Bis Ende September Samstag und Sonntag 14 – 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet,
Oktober temporär geöffnet, Carolin Walker +43 650 2130505
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