Elfie Semotan 1941 - 2026
Am Samstag den 6. Juni erreichte uns die bestürzende Nachricht, dass die Fotografin Elfie Semotan an einem plötzlichen Herzstillstand 84-jährig verstorben ist. Der Tod ereilte sie beim Schwimmen im Freibad in Jennersdorf, dort wo sie ein Landhaus besaß. Semotan starb ähnlich wie die Philosophin Agnes Heller, die 92 jährig den Balaton hinausschwamm und nicht mehr zurück kam.
So wie dieser leichtfüissge Tod, war auch das Leben von Elfie Semotan. 1941 in Wels geboren besuchte sie die Modeschule in Hetzendorf und erkannte schon bald, dass in den 1960er Jahren in Wien die Mode nicht boomend war. Sie ging nach Paris und arbeitete als Fotomodell, etwas das durch ihre außergewöhnliche Schönheit möglich war. Semontan war bis ins hohe Alter ein schöner Mensch und sie entsprach auch überhaupt nicht dem herkömmlichen Bild des Alters.
In Paris lernte sie den Fotografen John Cook kennen, der sie mit dem Fotografieren vertraut machte, und schon bald wechselte sie vom fotografierten Objekt zum fotografierenden Subjekt. Das war eine entscheidende Wende in ihrer Biografie, als auch in ihrem Werk, wie sie nur wenigen Frauen gelang. Sie perfektionierte ihren Blick auf das Symptomatische ihres Sujets und setzte es in ihrer eigenen Sprache um. Semotan sog alles auf was sie lernen konnte, auch von Männern, und fand in ihrer Fotografie eine individuelle Handschrift. Sie fotografierte ab 1985 für Vogue, Harpers Bazar, Marie Claire, Elle, Esquire, u.a. und flog oft nach New York, wo sie schließlich auch einen Wohnsitz nahm.
1986 arbeitete Sie zusammen mit Helmut Lang und war rund um diese Zusammenarbeit als Mode-und Werbefotografin in den USA tätig.
In Österreich war sie für Werbesujets des Unterwäsche- und Dessous-Herstellers Palmers verantwortlich, die 1981 einen Sturm der Entrüstung auslösten. Auch ihre Filme für den Getränkekonzern Römerquelle und Sujets einer Mènage-á-Trois waren nicht unumstritten.
Privat lernte Sie 1973 Kurt Kocherscheidt kennen mit dem Sie bis zu seinem Tod 1992 verheiratet war. Der Beziehung entsprangen zwei Söhne. 1996 heiratete Semotan erneut, nämlich den Universalkünstler Martin Kippenberger mit dem Sie aufgrund seines frühen Todes nur ein Jahr verheiratet blieb. Es gibt sehr fröhliche Aufnahmen von Martin Kippenberger am Markusplatz mit Tauben bedeckt stehend und andere private Fotos, die aus dem Archiv von Elfie Semontan stammen und im Fotohof in Salzburg 2022 gezeigt wurden.
2003 bekam Semotan eine Gastprofessur auf der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien.
Elfie Semotan war auf allen vielen Vernissagen anzutreffen und eine häufige Ausstellungsbesucherin. Sie blieb ein wacher kulturschaffender Mensch, umtriebig, engagiert und herzlich. Einmal meinte sie, dass die Pandemie, sie ärmer an Begegnungen gemacht hätte, weil man die Leute nicht mehr automatisch bei Vernissagen traf, sondern nun Treffen vereinbaren musste. Das Selbstverständliche des Kunstbetriebes fehlte. Ihre Arbeit als Fotografin übte sie bis zuletzt mit Freude aus. Erst im April dieses Jahres wurden Portraitfotografien präsentiert, die sie für das 25-jährige Jubiläum des Museumsquartier Wien von 25 Protagonist:innen des Kulturareals gemacht hatte.
Möge Ihr die Erde leicht sein.
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Elfie Semotan bei Crossing Europe, 2019
Foto: Bernhard Holub CC BY-SA 4.0
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