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Wolfgang Tillmans erhält den Roswitha Haftmann-Preis 2026

Der mit CHF 150‘000.– dotierte Preis der Roswitha Haftmann-Stiftung geht 2026 an Wolfgang Tillmans. Der Stiftungsrat würdigt damit ein Werk, das seit vier Jahrzehnten künstlerische Innovation mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet.

Wolfgang Tillmans erlangte in den 1990er-Jahren Bekanntheit durch seine stilbildenden Porträts von Menschen seiner unmittelbaren Umgebung und der europäischen Clubszene und LGBTIQ+-Community. Seine Fotografien erschienen in Musik- und Lifestyle-Magazinen und machten ihn früh zu einem präzisen Dokumentaristen gesellschaftlicher Strömungen. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte er sein Werk um Stillleben, Himmels- und Landschaftsaufnahmen, astronomische Bilder sowie um neue fotografische Praktiken, in denen die Kamera durch das Zusammenspiel mechanischer Abläufe oder mineralisch-chemischer Vorgänge der Fotografie ersetzt wurde. Auch die Materialität des Bildes – Papier, Oberfläche, Druck und Präsentationsform – wurde zu einem zentralen Bestandteil seiner Praxis. Tillmans’ Werk verbindet ästhetische Sensibilität mit einem politischen Interesse an Wirklichkeitsentwürfen und Wahrheitsansprüchen, insbesondere hinsichtlich Ideologien und Genderfragen. 

Das Werk von Wolfgang Tillmans wurde in den vergangenen Jahrzehnten vielfach ausgestellt und ausgezeichnet. 2022 wurde seine Ausstellung «To Look Without Fear» im MoMA/Museum of Modern Art in New York gezeigt, die 2023 weiter an die Art Gallery of Ontario, Toronto, und ans San Francisco Museum of Modern Art wanderte. 2025 präsentierte er «Weltraum» im Albertinum in Dresden, im selben Jahr «Rien ne nous y préparait – Tout nous y préparait» / «Nothing could have prepared us – Everything could have prepared us» im Centre Pompidou in Paris. 
2000 wurde ihm als erstem fotografisch arbeitendem Künstler und Nicht-Briten der renommierte Turner Prize verliehen, 2018 der Goslarer Kaiserring.

Die feierliche Preisverleihung findet am Donnerstag, 17. September 2026 im Kunsthaus Zürich statt. Die Laudatio hält Stiftungsratsmitglied Prof. Dr. Bernhart Schwenk, Chefkurator und Sammlungsleiter Gegenwartskunst an der Pinakothek der Moderne in München.

Tillmans ist der 28. Träger des höchstdotierten europäischen Kunstpreises. Zu den bisherigen Preisträger:innen des Roswitha Haftmann-Preises zählen u. a. Walter De Maria, VALIE EXPORT, Maria Lassnig, Cildo Meireles, Sigmar Polke, Robert Ryman, Cindy Sherman, Rosemarie Trockel, Cecilia Vicuña und Jeff Wall.

Der Roswitha Haftmann-Preis wurde 2000 von der Roswitha Haftmann-Stiftung ins Leben gerufen. Die in St. Gallen geborene Galeristin und Mäzenin Roswitha Haftmann (1924–1998) verfügte, dass ihr Vermögen der Förderung herausragender lebender Künstlerinnen und Künstler dienen soll. Über die Vergabe des Preises entscheidet der Stiftungsrat, dem satzungsgemäss die Direktorinnen und Direktoren des Kunstmuseums Bern (Dr. Nina Zimmer), des Kunstmuseums Basel (Dr. Elena Filipovic), des Museum Ludwig in Köln (Dr. Yilmaz Dziewior) unter dem Vorsitz der Direktion des Kunsthaus Zürich (Ann Demeester) angehören. Hinzu kommen berufene Mitglieder wie Mag.a Karola Kraus (ehemalige Direktorin des Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien), Prof. Dr. Bernhart Schwenk (Kurator Gegenwartskunst, Pinakothek der Moderne, München) und der Journalist und Kunstkritiker Prof. Thomas Wagner.
Das Preisgeld kann vom Preisträger frei verwendet werden – etwa für neue künstlerische Projekte, die Dokumentation und Sicherung des Werks oder andere Zwecke. Mit Ausnahme der persönlichen Entgegennahme des Preises beim Festakt sind keine weiteren Verpflichtungen damit verbunden.

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Abbildung: Wolfgang Tillmans, 2021, Foto © Georg Petermichl

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