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Terminal Piece: Einmal Umsteigen bitte

Eine Ausstellung mit dem Titel Terminal Piece klingt zunächst nach Endstation. Nach Schlussbild, Abspann, vielleicht sogar nach dem letzten Werk, bevor das Licht ausgeht. Im mumok ist allerdings das Gegenteil der Fall. Hier beginnt die Frage erst dort, wo man eigentlich schon weitergehen wollte.

Im Zentrum steht Kate Milletts "Terminal Piece” von 1972. Die Installation zeigt mehrere Reihen von Klappsesseln hinter einem Holzgitter. Auf einem Davon sitzt eine Frau. Ihre Haltung und ihr Blick sind schwer zu deuten, entzieht sich letzterer doch gerade so dem Publikum. Ist sie eingesperrt oder sind wir es? Gedanken über die die Beziehung zwischen Publikum und Ausstellung begleiten einen sowohl in diesem Werk als einzelnen als auch in der Schau als Ganzes. Millett, Feministin, Künstlerin, Autorin, interessierte sich für jene Strukturen, die sich gerne unsichtbar machen: Macht, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Zuschreibungen. Das mumok nimmt ihre Arbeit zum Ausgangspunkt und stellt ihr Werke aus der eigenen Sammlung gegenüber, kuratiert von der neuen Direktorin Fatima Hellberg und Lukas Flygare. So soll Terminal Piece auch die neue Direktion einläuten und womöglich auch einen Tenor vorgeben, wie es so weitergehen wird. Statt linearer Kunstgeschichte begegnet einem in Terminal Piece vor allem Behauptungen oder vielmehr Erzählungen. Die Ausstellung fragt, was Kunst mit uns macht – und unter welchen Bedingungen wir überhaupt bereit sind, etwas als Kunst zu erkennen. Das ist eine unangenehme Frage, denn der Museumsblick ist keineswegs unschuldig. Wir treten in einen Raum, lesen Namen, Jahreszahlen, Medien, schauen, urteilen, rümpfen bisweilen die Nase… Wir wissen aber ziemlich genau, wie man sich in einem Museum zu benehmen hat. Selbst das Staunen hat seine Regeln.

Terminal Piece kratzt an diesen Regeln, denn die Ausstellung interessiert sich für das Publikum als Teil des Geschehens. Besonders deutlich wird das im “Prolog” von Anna Viebrock, der quasi ein Bühnenbild ist. Plötzlich stehen da Kirchenbänke, ein Raum ist wie ein dunkler Keller gestaltet, ein ganzes Set erstreckt sich vor einem. Der Körper im Raum wird plötzlich relevant, der Abstand zum Werk, die eigene Position, der Blick auf andere, all das gehört zum Ausstellungsereignis. Und damit wird auch die Sammlung selbst fragwürdig. Was bedeutet es, wenn ein Museum seine Geschichte neu sortiert? Wer wurde gesammelt, wer vergessen, welche Perspektiven haben Eingang in den Kanon gefunden und damit auch welche bleiben vor der Tür?

Vielleicht will also auch das mumok selbst eine Art Kanon generieren.

Das alles ist dem Publikum leider nicht so leicht ersichtlich: Es fehlt der Ausstellung, so interessant sie aufgebaut ist, ein wenig der rote Faden. Im 4. Akt ist sehr viel Platz zwischen den Fotografien von Megan Plunkett, auch der Raum ist hell und weitläufig. Ein Stockwerk weiter unten, wo beispielsweise ein Werk von Birgit Jürgenssen (“Schwarzer Honig der Träume”) ausgestellt wird, ist der Raum klein und schwach beleuchtet. Man könnte sagen, es passt jeweils zum Werk. Allerdings ist der Weg von Akt zu Akt sowieso schon durch Treppenauf- oder Abstieg unterbrochen und so fällt die Ausstellung ein wenig auseinander. Vielleicht hätten der Inszenierung auch klarere Wandtexte gut getan, jedenfalls ist es schade, dass die liebevoll ausgewählten Werke und das spannende Konzept in Ratlosigkeit oder vielmehr Verwirrung untergehen.

Terminal Piece möchte vielleicht weniger eine Antwort liefern als die vertraute Museumsroutine stören. Jedenfalls bleiben nach dem Besuch mehr Fragen offen als beantwortet werden. Die Endstation ist also keine - eher ein Umsteigen.

Mehr Texte von Veronika Metzger

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Terminal Piece
20.06.2026 - 07.02.2027

mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
1070 Wien, Museumsquartier, Museumsplatz 1
Tel: +43 1 52 500, Fax: +43 1 52 500 13 00
Email: info@mumok.at
http://www.mumok.at
Öffnungszeiten: Täglich: 10.00–18.00 Uhr, Do: 10.00–21.00 Uhr

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