Dorit Margreiter Choy - Prototyp: Kunstvoll durchpulste Raumskulptur
Dorit Margreiter Choy hat die neue „Kunstbrücke“ im Innsbrucker RAIQA zu einer Bühne für diverse Künste gemacht, die selbst Kunst ist. Wie das funktioniert, zeigt die mit eigenen Arbeiten bestückte Eröffnungsschau.
Den Namen „Kunstbrücke“ hat der im neuen Innsbrucker RAIQA Quartier eingerichtete Ausstellungsraum zwar behalten, eine in die Schalterhalle der Bank integrierte Brücke im engeren Sinn ist dieser nun allerdings nicht mehr. Sondern ein 220 Quadratmeter großer, vorne 5,50, hinten 4,40 Meter hoher Raum, der letztlich eine Skulptur ist. Was der Wiener Konzept- und Medienkünstlerin Dorit Margreiter Choy geschuldet ist, die bereits im Zustand der baukünstlerisch umstrittenen Transformation des ehemaligen Standorts der Raiffeisen-Landesbank Tirol durch das Wiener Architekturbüro Pichler & Traupmann aktiv mit einbezogen war. Als Siegerin eines kleinen Kunst-am-Bau-Wettbewerbs, zu dem neben der 59-Jährigen auch Werner Feiersinger und Hans Schabus eingeladen waren.
Die Konzepte der drei hätten konträrer kaum sein können, sagt Silvia Höller, die künstlerische Leiterin der „Kunstbrücke“ seit mehr als 20 Jahren. An Dorit Margreiter Choys Konzept habe sie und ihre Mitjuroren ihr Denken von Raum als dynamische, mit der hier präsentierten Kunst sich jeweils verändernde Bühne überzeugt. Denn Wände im eigentlichen Sinn hat die neue, an zwei Seiten raumhoch verglaste „Kunstbrücke“ nur wenige. Wie das ausstellungstechnisch trotzdem wunderbar funktioniert, führt die von Margreiter Choy mit eigenen Arbeiten bespielte Eröffnungsschau mit dem naheliegenden Titel „Prototyp“ vor – mit Bildern, Videoarbeiten, einem Film und Mobiles, die an Wänden hängen, im Raum stehen oder von der Decke baumeln. Montiert an kurvigen Schienen, die eigentlich für Vorhänge als Medium einer subtilen Raumchoreographie gedacht sind.
Der geschliffene Estrich der „Kunstbrücke“ wird durch kleine runde Öffnungen im Abstand von 60 Zentimetern strukturiert, in die 3,80 Meter lange, schwarz lackierte Metallrohre eingesetzt werden können, die wiederum die Träger von weiß lackierten Holzplatten unterschiedlichster Größe und Formate sind. Um auf diese Weise zum reizvoll labyrinthisch anmutenden Ort der Präsentation von Kunst in den unterschiedlichsten Medien zu werden, wie Dorit Margreiter Choy in ihrer Schau überzeugend vorführt.
Womit sie allerdings nicht nur beweist, dass der von ihr gestaltete Raum technisch wunderbar funktioniert, sondern klar macht, wie sehr räumliche Erfahrung und gesellschaftliche Wirklichkeiten unmittelbar miteinander verwoben sind. Was gerade in einem hybriden Gebäude, das Bank genauso wie Marktplatz ist, von spannender Relevanz ist. Zelebriert von der Künstlerin anhand von vier Zyklen. Um ein auf Basis eines fragmentarisch erhaltenen Schriftzugs aus den frühen 1960er-Jahren entwickeltes Alphabet kreisen einige der auf einen Spiegel bzw. Holz gesprühte oder mit Wasserfarben gemalte Bilder. In einer formal strengen, alles Spontane ausschließenden Handschrift, die trotz ihrer Klarheit wunderbar poetisch daherkommt. Subtil kreisend um kulturelle Verluste bzw. ihr Weiterleben im kollektiven Gedächtnis. Spektakulär inszeniert aber auch als riesiges Mobile, aus dem die Künstlerin in der Innsbrucker Schau zwei gemacht hat. Einige der aus buntem Glas geschnittenen Buchstabenfragmente sind Spiegel, an denen der einen Parkour durch das Gezeigte suchende Ausstellungsbesucher unwillkürlich anstreift, um auf diese Weise letztlich mit sich selbst konfrontiert zu werden.
Im Spiegelkabinett „Calypso“ im Wiener Prater ist die Zwei-Kanal-Videoinstallation „Mirror Maze“ entstanden. Der Raum und ihre Besucher werden hier zum streifig verzerrten Muster, die „normale“ Wahrnehmung ist außer Kraft gesetzt, die Orientierung irritierend bis verstörend. Im Kurzfilm „Silber“ werden schließlich der Schwazer Silberbergbau des 16. Jahrhunderts und ein isländischer Gletscher von heute kurzgeschlossen. Da wie dort werden Felsformationen fast zärtlich mit der Kamera abgetastet, was auf einen ersten Blick fast zu schön ist, um die ubiquitäre Ausbeutung der Natur durch den Menschen vergessen zu lassen.
Kunst durchpulst das neue RAIQUA Quartier aber auch abseits der „Kunstbrücke“. Je ein Besprechungszimmer der Bank haben mit Christoph Hinterhuber bzw. Anna-Maria Bogner zwei ehemalige RLB-KunstpreisträgerInnen ganz auf ihre Weise gestaltet, für eine Außenfassade hat Julia Bornefeld eine aus 2000 Aluröhren bestehende Lichtinstallation entworfen.
05.05. - 04.07.2026
Kunstbrücke
6021 Innsbruck, Adamgasse im RAIQA, Raiffeisenplatz 1
Tel: +43 512 5305-13566
Email: info@rlb-kunstbruecke.at
https://kunstbruecke.at/
Öffnungszeiten: Mo-Fr 14-18, Sa 10-13 h
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