Großkopfig
KAWS in der Albertina Modern
Kunst darf und soll niederschwellig sein. Allerdings muss man sich bei KAWS schon fragen, welchen Wert die Kunst für ihr Publikum hat. Wenn KAWS wie so häufig mit Andy Warhol verglichen wird, ist das womöglich auf oberflächlicher Ebene sinnvoll: Kunst, die kulinarisch ist, laut, irgendwie in ihrer Zugänglichkeit wieder demokratisch. Andy Warhol allerdings hat in seiner Kunst eine Ikonografie. Das Abgebildete hat einen Bezug zu mir und meinem Alltag, meinen Konnotationen und Stereotypen, und die Einfachheit der Motive wird durch meine Assoziationen zu einer wohlfeilen Projektionsfläche. Soweit will man ja schon auch selbst gemeint sein von der Kunst. Die klassischen KAWS Charaktere sind jedoch ein schwammiges Gemisch aus Michelin-Männchen und Mickey Maus - irgendwo im Hinterstübchen kann man womöglich Nostalgie für sie aufbringen, weil sie allen und keinen Comicfiguren genau richtig ähnlich und unähnlich sehen. Mit je einem X über den Augen und Gliedmaßen fehlt ihnen jeglicher Ausdruck und eine inhaltliche Einordnung wird uns auch nicht vergönnt. Diese Leerstelle kann auch nicht durch eigene Bezüge gefüllt werden, denn wer sind diese Figuren und wofür sollen sie in all ihrer protzigen Größe stehen? Ein solches Prachtexemplar thront auch vor der Albertina. Der hohe Wiedererkennungswert und die schiere Dimension helfen mit Sicherheit, dass sich Menschen in die Albertina trauen, die sich sonst vielleicht von der Kunst mit großem K eingeschüchtert fühlen würden. Und wie Andy Warhol ist KAWS poppig – aber was ist es noch?
Was bringt mir eine niedrige Schwelle wenn der Übertritt keinen Mehrwert hat? Einen solchen Popanz für einen alten weißen Mann zu veranstalten und ihn auf der Website “radikal Grenzen in fragestellend” zu nennen, wirkt genau wie die Kunst selbst kalkuliert und kommerziell. Die anderen Positionen der Ausstellung bringen ein wenig Menschlichkeit neben die toten Augen der KAWS Figuren - allerdings ist KAWS so plakativ Mittelpunkt der kuratorischen Überlegungen von Angela Stief und Florian Waldvogel, soll so eindeutig die Leute hinenschanzen, dass es wiederum aufgesetzt wirkt. Ich bin absolut immer dafür, dass Kunst den Menschen auf Augenhöhe begegnen soll. Die Augenhöhe ist nur leider in diesem Fall in Preis und Größe der Skulpturen doch ein paar Meter zu weit oben.
KAWS Art & Comix
03.04. - 27.09.2026
⤇ albertina.at/albertina-modern/
Mehr Texte von Veronika Metzger
Teilen
