Vom Menschsein im digitalen Zeitalter
Es ist ein fast schon alltäglicher Vorgang: Mit einem Captcha-Test müssen wir einer Maschine beweisen, dass wir menschlich sind. Der Vorgang, der erfunden wurde, um Webseiten vor maschinengeneriertem Spamming zu schützen, ist so eng verknüpft mit unserer täglichen digitalen Routine, dass wir meist ohne weiteres Nachdenken Zebrastreifen, Ampeln und Fahrräder auf Bildern identifizieren, die wiederum dazu genutzt werden, um künstliche Intelligenzen bei der Bilderkennung zu trainieren.
Diesen Zirkelschluss zwischen Mensch und digitaler Entität hat sich Mirela Baciak, Leiterin des Salzburger Kunstvereins, als Motto für das diesjährige Jahresprogramm ausgesucht. Was definiert das Menschsein im digitalen Zeitalter und wie geht die Kunst um mit der fragilen Grenze zwischen Leben und dessen Simulation, in der wir uns ja genauso selbstverständlich bewegen.
Dabei geht es gar nicht so sehr um Kunstwerke, die direkt im Digitalen verankert sind, sondern durchaus um unterschiedliche Formen des Realismus in Skulptur, Malerei und Installation und die künstlerische Repräsentation unserer menschlichen Identität.
Das zeigt sich schon in der traditionellen Ausstellung in der Ringgalerie, die dieses Jahr von der Ukrainischen Künstlerin Kateryna Lysovenko bespielt wird, die Malerei als soziale Handlung versteht und als Werkzeug, Sichtbarkeit und Wirklichkeit neu zu verhandeln.
Bis zum 10. Mai zeigt der Salzburger Kunstverien eine raumfüllende Installation von Linda Lach, die sich mit dem Konzept der „all key“ auseinandersetzt. Dabei geht es um Formen der Kompatibiliät die auf Kosten von Individualität und mittels Gleichschaltung erreicht wird. Im Studio Space läuft gleichzeitig die Ausstellung „Certain Expectation“ von Magdalena Berger.
Von 23. Mai bis 12. Juli wird Agnes Scherer den großen Ausstellungsraum in eine Theaterkulisse verwandeln, die auf zwei Gemälden von Francisco Goya basiert. Die Künstlerin thematisiert dabei historische Ordnungssysteme die in der Gegenwart wieder aufleben, Machtverhältnisse und Seelenzustände in kapitalistischen Realitäten. Zeitgleich lässt freakygreenfish im Studio Space in der Installation FrameTokCity: Bot on Bot Crime KI-generierte TikTok-Bots mit konkurrierenden ideologischen Narrativen aufeinandertreffen.
In der großen Sommerausstellung (25.07. – 20.09.2026) bringt der britische Künstler Ryan Gander 200 paarweise angeordnete Objekte in den Salzburger Kunstverein. Im Studio zeigt Hac Vinent währenddessen eine Videoinstallation, die die Konstruktion von Identität unter dem Blickwinkel posthumaner Verkörperung reflektiert.
Im Herbst folgt dann die große Jahresausstellung, die von Attilia Fattori Franchini kuratiert wird. Die Bewerbung dafür läuft noch bis zum 1. Mai (⤇ Link HIER). Parallel dazu gibt es im Studio eine Ausstellung von Peter Schreiner, dem Gewinner des Förderpreises 2025 des Landes Salzburg und des Salzburger Kunstvereins.
Den Abschluss bildet dann die Einzelausstellung von Aline Bouvy, die dabei an ihre Präsentation im Luxemburger Pavillon der Biennale di Venezia 2026 anschließen wird. Das immersive Projekt, das Abjektion, Körperlichkeit und die prekären Architekturen zeitgenössischer Subjektivität aus feministischer Perspektive untersucht wird in allen Ausstellungsräumen des Salzburger Kunstverein zu sehen sein.
Alle Details zum Programm unter ⤇ salzburger-kunstverein.at
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