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Rudi-Seitz-Kunstpreis 2026 geht an Max Geisler

Der Preis wird alle zwei bis drei Jahre an Künstlerinnen und Künstler vergeben, die eine eigenständige vielversprechenden künstlerische Position entwickelt haben, einen Bezug zu Frankfurt aufweisen und deren Werk noch am Beginn einer breiteren öffentlichen Wahrnehmung steht. Andreas Greulich, Inhaber der Galerie Greulich, wurde von der Frankfurter Malakademie e.V. und der Friedrich Wilhelm Meyer-Stiftung e.V. als Juror berufen – und hat sich für einen Künstler entschieden, dessen Arbeit ihn seit Jahren nicht losgelassen hat.

Max Geisler, 1990 in Frankfurt am Main geboren und heute in Berlin lebend, arbeitet an einer Stelle, die sich schwer benennen lässt: irgendwo zwischen Malerei, Installation und Architektur – wobei er alle drei Begriffe konsequent unterläuft. Seine Rauminstallationen folgen einer scheinbar paradoxen Logik: Er baut, um zu den Eindruck der Zerstörung zu erwecken.

Geisler errichtet Trockenbauwände nicht immer nach handwerklichen Maßstäben – immer aber bricht er Wände auf, reißt sie durch, überzieht die Bruchkanten mit Farbe. Das Armierungsgewebe, sein zentrales Material, erzeugt mit Farbe überzogen einen Moiré-Effekt: Man weiß nicht mehr, ob man eine Wand oder ein Bild sieht, Struktur oder Fläche, Architektur oder Malerei. Diese Verunsicherung ist kein Nebeneffekt – sie ist das Ziel. Was zurückbleibt, sind Fragmente, die über Raum, Erinnerung und Vergänglichkeit sprechen, wie es ein intaktes Gebäude nie könnte.

In den jüngeren Arbeiten ist das Werk stiller geworden: Die großen Farbgesten treten zurück, Weiß und Leere übernehmen. Parallel dazu entstehen die Zeltarbeiten – Wurfzelte, bemalt und deformiert, die zwischen Wandobjekt und freier Skulptur pendeln. Ein Zelt ist das Provisorium schlechthin. Bei Geisler wird es zur Skulptur, deren Herkunft noch erkennbar ist, aber vollständig außer Kraft gesetzt wurde. Auch das ist Zerstörung. Auch das ist Malerei.

Andreas Greulich über seine Entscheidung:
„Ich habe Max Geislers Arbeit 2019 bei der Ausstellung ‘And This is Us’ im Frankfurter Kunstverein zum ersten Mal gesehen – und bin buchstäblich in seine Installation geraten. Man betrat keinen Ausstellungsraum, man lief in etwas hinein. Das war einer jener seltenen Momente, in denen Verwirrung und ästhetischer Schock zusammenfallen und echte Begeisterung auslösen. Seitdem verfolge ich sein Werk. Geisler hat eine unverwechselbare Sprache entwickelt: Bild und Raum entstehen bei ihm im selben Akt, die Zerstörung ist das Malen. Er ist genau der Künstler, dem dieser Preis nützt – und den dieser Preis verdient.“

Der Rudi-Seitz-Kunstpreis wird seit 2005 von der Frankfurter Malakademie e.V. vergeben, seit 2007 gemeinsam mit der Friedrich Wilhelm Meyer-Stiftung e.V. Er erinnert an Rudi Seitz, der als Kulturvermittler der Frankfurter Kunstszene zeitlebens Künstlerinnen und Künstler förderte, bevor der Markt sie entdeckt hatte. Max Geisler ist der sechste Preisträger. Der Preis ist mit 5000 € und einer Katalogpublikation dotiert. Der Katalog wird zur Verleihung des Preises veröffentlicht.
Symbol des Preises ist eine Bronzeplastik des Bildhauers Alfred Nungesser (1903–1983), einem Meisterschüler Max Beckmanns.

Preisverleihung findet am Donnerstag, 26. März 2026, 18 Uhr an der Frankfurter Malakademie e.V., Zobelstraße 11, 60316 Frankfurt am Main statt. Die Veranstaltung ist öffentlich.

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Abbildung via Galerie Greulich

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