Tefaf: Im alten Glanz
Während die Konzernmessen Art Basel und Frieze an immer mehr Orte expandieren, fokussiert sich die Tefaf auf ihre beiden Ausgaben in Maastricht und New York. Die Mutter in der niederländischen Provinzstadt Maastricht zeigt dieser Tage wieder, dass sie nicht umsonst oft „Königin der Kunstmessen“ genannt wird. Unangefochten ist ihre Stellung im Bereich der Alten Meister, Antiken und Antiquitäten. Für diese Gelegenheit heben zumindest die Anbieter Alter Kunst ihre besten Stücke auf. Bei Colnaghi aus London ist das in diesem Jahr ein Porträt des spanischen Adeligen Don Sebastián de Huerta von Diego Velázquez. Das um 1628/29 entstandene Bild blieb seit seiner Entstehung im Besitz der Familie des Dargestellten und wird nun um rund sieben Millionen Euro angeboten. Eine kleine Überraschung kommt aus Bremen: Die auf Silber und Kunsthandwerk spezialisierte Galerie Neuse zeigt eine Marmorskulptur von Ridolfo Schadow. Der „Ganymed“, von dem nur eine weitere Bronzeversion bekannt ist, tauchte nach langer Zeit in den USA bei einer Provinzauktion wieder auf und soll nun 450.000 Euro kosten. Einzige Teilnehmer aus Österreich sind in diesem Jahr Wienerroither & Kohlbacher, nachdem Thomas Salis aus Salzburg seinen Galeriebetrieb aus Altersgründen eingestellt hat und der Jugendstilhändler Wolfgang Bauer mit seiner Bel Etage erneut nicht antritt. Sie zeigen neben einer Auswahl Klassischer Moderne - unter anderem Lyonel Feininger und Alfred Kubin - mehrere großformatige Werke von Arnulf Rainer.
Die Anbieter von Kunst der Nachkriegszeit bis heute sind in der Messehalle inzwischen gleichmäßiger verteilt und wirken weniger dominant. Die Pariser Galerie Galerie Mennour tritt erneut mit Handelspositionen statt mit ihrem aktuellen Programm an: darunter „Transparence“ (1929) von Francis Picabia für vier bis fünf Millionen Euro sowie eine Büste von Alberto Giacometti für 2,2 Millionen Euro. Der Zürcher Neuzugang Larkin Erdmann spannt den Bogen von Odilon Redon über Man Ray bis zu Lucio Fontana – meist im mittleren sechsstelligen Bereich. Darüber hinaus bringt die Galerie mit „Fourteen Small Electric Chairs“ von Andy Warhol (1980) für 4,4 Millionen Euro auch einen Klassiker der jüngeren Kunstgeschichte mit.
Bei Zeitgenossen finden sich vergleichsweise moderate Preise. Die Berliner Buchmann Galerie debütiert mit einer großformatigen vierteiligen Fotoarbeit von Anna und Bernhard Blume aus den 1980er Jahren für 70.000 Euro. In der Focus-Sektion zeigt Galerie Thomas Schulte Fotografien von Robert Mapplethorpe, deren Preise zwischen 50.000 und 150.000 Dollar liegen. Ein robustes Selbstbewusstsein stellt Christophe Van de Weghe aus New York zur Schau, der den Namen seiner Galerie wie ein Wasserzeichen breit auf das Centerpiece seiner Präsentation projiziert.
Mit ihrer aktuellen Aufstellung scheint The European Fine Art Foundation, die Händlerorganisation hinter Messe, auch angesichts der Konkurrenz durch Art Basel und Frieze, ganz zufrieden zu sein. Will Korner, Head of Fairs bei der Händlervereinigung Tefaf, erklärt: „Ob wir in Zukunft etwas anderes machen werden, darüber gibt es viele Meinungen. Natürlich gibt es Diskussionen, die meist direkt aus bestimmten Ländern oder Städten kommen, um dort eine Veranstaltung zu organisieren. Aber wir haben uns derzeit entschieden, keine weitere große Veranstaltung an einem anderen Ort zu organisieren. Es ist tatsächlich eine bewusste Entscheidung, dass wir derzeit diese beiden Messen veranstalten, hier in Maastricht und in New York.“
Mehr Texte von Stefan Kobel 14 - 19.03.2026
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