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Künstlerinnen statt Siegerkunst

Die Heidi Horten Collection ist eine seit den späten 1980er Jahren zusammengetragene Sammlung an Kunstwerken, in denen viel vom Machtgefüge des internationalen Kunstmarkts sichtbar wird. Unter den mehreren hundert Werken der Sammlung finden sich vorwiegend männliche Positionen aus dem Kunstkanon, also größtenteils „Siegerkunst“ wie Wolfgang Ullrich in seinem gleichnamigen Buch die als Statussymbole erworbenen Arbeiten der vielen HNWIs bezeichnete. Immerhin hat Heidi Horten sich mit Kunst umgeben, mit ihr gelebt. Gleichzeitig steckt in der Sammlung eine Strategie, die von der früheren Direktorin des Belvedere und Gründungsdirektorin der im Hanuschof neben der Albertina angesiedelten Heidi Horten Collection. Mit der Bestellung von Verena Kasper-Eisert zur neuen Direktorin, wandelt sich auch der Fokus der Präsentationen weg von der Meistererzählung hin zu einer diskursiveren und vor allem weiblich geprägten Auseinandersetzung mit und in dieser Privatsammlung.

Auch das schwierige Erbe der Geschichte des Geldes, das die Basis bildete für die umfassende Sammlungstätigkeit, wird nun offener angesprochen und soll selbstverständlicher Teil der Arbeit werden, die die Institution leistet.

Mit ihrem ersten Jahresprogramm setzt Kaspar-Eisert klare Schritte hin zu einer Stärkung weiblicher Positionen im Museum. Die erste, von Kaspar-Eisert selbst kuratierte Ausstellung wird eine große Retrospektive des Schaffens der Künstlerin und Philosophin Elisabeth von Samsonow sein. Im Zentrum von Samsonows künstlerischer Praxis steht eine intensive Auseinandersetzung mit der Erde als Trägerin von Geschichte, Leben, Energie und kollektiver Erinnerung. Ihre Arbeiten greifen Motive aus der Kulturgeschichte auf und übersetzen diese in eine zeitgenössische Formensprache.

Am Beginn des Ausstellungsjahrs steht die noch von Vorgängerin Agnes Husslein konzipierte Gruppenausstellung Animalia, die anhand von mehr als 100 Kunstwerken des 20. Und 21. Jahrhunderts das Verhältnis von Tier und Mensch untersucht.

Ganz ohne „alte weiße Männer“ kommt auch das Jahresprogramm 2026 nicht aus. Die erste dieser Ausstellungen ist allerdings einem Künstler gewidmet, der angesichts der Frische seiner Arbeiten nur aufgrund deines Alters in diese Kategorie einzuordnen ist. Gottfried Bechtold wird Ende April einen seiner ikonischen Betonporsches auf dem sogenannten „Direktorinnenparkplatz“ im Innenhof des Hanuschhauses abstellen. Ergänzend dazu gibt es eine Auswahl von Papierarbeiten im Museum selbst zu sehen. (⤇HIER geht es zum Interview dass wir mit Gottfried Bechtold anlässlich seiner jüngsten Ausstellung in der Galerie Krinzinger geführt haben).

Im Herbst geht es dann um den Schuh in der Kunst als Fetischobjekt, Projektionsfläche und Ziel feministischer Kritik. Ausgehend von der Grafikserie Á La Recherche du Shoe Perdu von Andy Warhol zeigen vor allem Künstlerinnen Arbeiten zum Schuh als als Symbol von Begehren, Disziplinierung und Geschlechterrollen.

Den Abschluss des Ausstellungsjahres bildet dann der traditionelle Weihnachtsbaum in der Heidi Horten Collection. Im Jahr 2025 war es die Künstlertruppe Gelatin, die ihre Interpretation dazu ins Museum gebracht hat. Wer im Jahr 2026 diese Tradition fortsetzen wird, soll im Herbst bekanntgegeben werden.

Auch in der Ankaufspolitik – dem Museum steht ein „namhafter Betrag“ aus der Heidi Horten Vermögensstiftung zur Verfügung - will Verena Kaspar-Eisert die Position von Künstlerinnen in der Sammlung stärken und Lücken in der Sammlungsgeschichte füllen.

Es ist ein ambitioniertes Konzept, das Verena Kaspar -Eisert für das erste Jahr ihrer Direktion präsentiert hat.

⤇ hortencollection.com

Mehr Texte von Werner Remm

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