Trenčín ist Europäische Kulturhauptstadt 2026
Trenčín war römischer Außenposten, auch bekannt als Laugaricio. Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Stadt im frühen 11. Jahrhundert. 1412 folgte die Erklärung zur freien königlichen Stadt.
Die Burg, das Wahrzeichen von Trenčín hat ihre Ursprünge im 2. Jahrhundert, als römische Truppen die Nordgrenze des Reiches absicherten und die Lage oberhalb des Waagtals strategisch ausnutzen konnten. Ab 1300 war die Burg Herrschersitz. Neben einem Palast aus dem frühen 14. Jahrhundert erhebt sich ein Steinturm aus dem 11. Jahrhundert. Zahlreiche Nebengebäude, Bastionen, Schutzmauern und Tortürme folgten. Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres beherbergt diese Anlage nebst einer historischen Ausstellung auch drei Positionen aus der Gegenwart.
The Well of Love von Kerem Ozan Bayraktar, Ahmet Rüstem Ekici und Hakan Sorar, Ekmel Ertan und Busra Tunc aus der Türkei geht auf die Legende von „Omar und Fatima“ ein. Ein osmanischer Mann namens Omar hat, um die Befreiung der von ihm verehrten Fatima zu erwirken, einen Brunnenschacht zur Versorgung der Burg gegraben. Die in der gotischen Kapelle und in der Kanonenbastei gezeigten Installationen gehen mit Licht, Sound, Hologrammen und Fotografien auf Szenen der Legende ein.
Der Japaner Yasuaki Onishi zaubert mit Crystallized Silence chemische Prozesse in Form von Molekularstrukturen zu einem kristallin wirkenden raumfüllenden baumartigen Konstrukt in den Rittersaal.
Im Barbaraturm hat Carla Rebelo aus Portugal die vor- und industrielle Textilindustrie der Region und deren Überbleibsel als Basis ihrer Rauminstallation genommen. Glasplatten, Spulen und Holzstücke, die sie in der Merina Textilfabrik noch finden konnte und viele Fäden spannt sie konstruiert durch den Wohnraum der ehemaligen Burgherrin.
Das Trenčíner Museum ist (noch) geschlossen. Dieses wird umfassend renoviert und eröffnet im Laufe des Jahres.
Die Hauptausstellung ist zweifelsohne die umfassende Schau mit Werken des gebürtigen Slowaken (aus dem Bezirk Trenčín) Stano Filko (1937 - 2015) in der Milos Alexander Bazovsky Gallery (diese wurde 1969 eröffnet). Stano Filko: Colour and System, Recto and Verso kuratiert von Boris Ondreička gibt einen guten Überblick über das lebenslange Experimentieren mit Malerei, die bei ihm auf allen Seiten des Malträgers stattfindet. Für Stano Filko war nebst der Fläche auch die Farbe eine Codierung (grün – Herz, blau – Kopf und Kosmos, rot – Erde, etc.). Seine Initialen SF, mit denen auch die Werke signiert wurden, bedeuteten für ihn ein „System der Farben“. Die Ordnung der Welt war ihm wichtig und wurde zu seinem Kosmos (er überarbeitete Landkarten, übermalte raketenartige Formen und setzte Farben bewußt nach seinem Schema ein).
Seine Werke sind auch international bedeutend. Das Centre Pompidou in Paris, Das MoMa in New York, die Tate Modern in London und viele Museen mehr beherbergen seine Kunstwerke.
Ab 3. April 2026 zeigt übrigens das Museum der Moderne Salzburg am Mönchsberg die Ausstellung Stano Filko. 12 Chakras of Becoming, kuratiert von Boris Ondreička und Jürgen Tabor.
Zudem werden im Gebäude der Milos Alexander Bazovsky Gallery noch weitere Ausstellungen von Kristina Siedlova (Fotografie) und herausragender Architektur der Region Trenčín gezeigt.
Kunst im öffentlichen Raum ist in einer mittelgroßen Bezirkshauptstadt wie Trenčín (knapp 55.000 Einwohner) natürlich ein Thema.
Der einzige österreichische Künstler im Rahmen des Programmes ist Oliver Ressler. The Green Line – Out of the Passage to Seize Back the Sky findet in einer Straßenunterführung aus den 1980er Jahren statt. Fünf Leuchtkästen, die Motive aus Trenčín zeigen lenken die Passanten von der devastierten Umgebung ab.
In der renovierten Synagoge, die als eine der schönsten und interessantesten der Slowakei bezeichnet wird und 1913 nach Plänen des aus Pieštany gebürtigen Architekten Richard Scheibner entstand, wird in Kooperation mit der lokalen Kultusgemeinde die Biennale of Contemporary Jewish Art gezeigt.
Im Inneren wird auch temporär Kunst ausgestellt. Derzeit werden drei Werke mit Titel „wounded canvas (yesterday, tomorrow, ... today“ (2026) der slowakischen Künstlerin Dorota Sadovska präsentiert.
Auch die Kirchen im Zentrum der Stadt sind allesamt in das Kulturhauptstadtjahr eingebunden. Die Piaristenkirche am Hauptplatz (am Mierove-Platz) zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten in der Slowakei. Errichtet im italienischen Frühbarock wurde sie im frühen 18. Jahrhundert rekonstruiert und mit einem Deckengemälde von Christoph Tausch ausgestattet. Diese spätbarocke, illusionistische Darstellung steht in Korrespondenz mit den temporären Innenlicht- und Soundinstallationen von The Trakt, die auch das Light Art Festival organisieren.
Das eigentliche Kulturhauptstadthaupthaus ist das KKC Hviezda Gebäude, welches eines der funktionalistischen Vorzeigegebäude der 1940er Jahre ist und bis 2023 einige Jahre umfassend renoviert wurde. Neben Ausstellungen finden Performances und Konzerte statt.
Im Rahmen des Eröffnungswochenendes lud Stanislav Krajči, der Direktor der Kulturhauptstadt Trenčín eine Gesprächsrunde mit Kulturhauptstadtverantwortlichen aus Kosice, Novi Sad und Bodo ein.
Was haben die Städte aus dem Kulturhauptstadtjahr gemacht?
Novi Sad in Serbien (2021) hat über die gesteigerte Solidarität in der Bevölkerung und die internationale Wahrnehmung (als nicht EU-Land) berichtet.
Bodo in Norwegen (2024) hatte für die Kulturhauptstadt keine sichtbare Infrastruktur errichtet. Die Hauptidee lag in der stärkeren Wahrnehmung der Region durch Performances, Konzerte und dergleichen.
Die ostslowakische Stadt Kosice war 2023 Europäische Kulturhauptstadt. In der Vorbereitung dazu wurden vorhandene Gebäude, teils Industrieruinen restauriert und adaptiert. Eine Kunsthalle entstand beispielsweise aus diesem historischen Bestand. Rückblickend gesehen hat sich Kosice seitdem zu einem europäischen Hotspot der Kreativindustrie entwickelt. Die Infrastruktur wurde aufgerüstet und es wurden Anreize geschaffen, dass sich viele IT-Firmen und Start-Ups angesiedelt haben. Von der devastierten Industrieregion hat man es über Kunst / Kultur geschafft, neue Industrien zu etablieren.
Was soll man noch über Kulturhauptstädte wissen? Die einzelnen Vertreter haben monatliche meetings, in denen gemeinsam diskutiert wird. Die nachhaltigste Kulturhauptstadt – so der Schlußsatz der Diskussion – ist wohl Antwerpen (1992). Bis heute gibt es die Antwerp Foundation, die kulturelle Belange unterstützt.
Der unparteiische Bürgermeister von Trenčín Richard Rybniček wurde gefragt, was er sich als Nachhall der Kulturhauptstadt wünscht. „Ich möchte, dass die Menschen, die hier leben, stolz darauf sind.“ „Eine Stadt mit Ambitionen und offenen Herzen,“ sei seine Hoffnung „eine Stadt mit Lebensqualität“.
Was bietet die Kulturhauptstadt dieses Jahr noch?
Im April (10. / 11.) gibt es das Light Art Festival.
Das über die Grenzen bekannte Poholda Festival freut sich von 8. bis 11. Juli auf Gäste.
Die Fiestabrücke wird nach (zu) langer Renovierung und Erneuerung im Rahmen des Fiesta Festivals im September (Datum nicht bekannt) eröffnet.
Und dann wird auch noch das Trenčín Museum nach jahrelanger Renovierung im Laufe des Jahres (wohl auch im September) wiedereröffnet.
Als Abschluss (Datum und Programm derzeit noch nicht bekannt) gibt es im Dezember die Final- und Übergabeveranstaltung. Nächstes Jahr folgen Liepaja in Lettland und Evora in Portugal als Europäische Kulturhauptstädte.
Sparringpartner von Trenčín ist die finnische Stadt Oulu, mit der man gemeinsam den Cultural Climate Change bewirken möchte. Mehr Empathie, mehr Kreativität und mehr soziale Interaktionen der Bevölkerung und Kommunen sind das Ziel dieses Bestrebens.
Alles Programme gibt es unter ⤇ trencin2026.eu
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