Touchdown mit dem Zeitgeist
Die NFL bekennt sich mit der Superbowl Musikauswahl gegen American Idiots und American Patriots
Ein Sieg gegen die Patriots - beim Sport muss ich das leider aus zweiter Hand und schnöder Inkompetenz berichten. Bei der Musik aber hat Amerika beim diesjährigen Superbowl einen Sieg gegen den MAGA-Patriotismus geschafft.
Der Superbowl ist als Event quasi nationaler Feiertag. Eine Riesenplatte Chickenwings für alle, man schaut gemeinsam und fiebert gemeinsam, manche schauen gerne die Werbungen (die in absolut unerträglicher Frequenz bei jeder kleinsten Pause geschaltet werden), manche den Sport, Highlight für viele ist aber die musikalische Begleitung durch Opener und Halftimeshow. Es ist eine Ehre, als Act dafür ausgewählt zu werden, befindet man sich damit doch in einer Kategorie mit Größen wie Beyoncé und Michael Jackson. Dass die NFL zwei Performances ausgewählt hat, die so buchstäblich ausgesprochen gegen Trump sind, ist bezeichnend.
Eröffnet hat die Band Green Day, die unter anderem durch ihren Hit „American Idiot“ bekannt wurde. Ein Protestsong gegen stumpfen Nationalismus und American Pride. Seitdem Trump wieder an der Macht ist, dichten sie live die Zeile „I‘m not part of a redneck agenda“ zu „I‘m not part of a MAGA agenda“ um. Trotz des unbenommen heroischen Auftrittes, in dem sie das Lied als Teil eines Medleys zum Besten gegeben haben, blieb ein kleines Fragezeichen wo diese Zeile hätte kommen sollen. Das Publkum jubelt hörbar, als das Lied angespielt wird, wird die Band die Anti-Trump Version singen? Stattdessen wirft sich Green Day in ein seltsam un-punkiges Gitarrensolo. Irgendwie hatte man aber schon erwartet, dass sie das ganze doch bis zum Ende durchziehen - wenn sie doch auch noch in guter Gesellschaft sind mit dem Halftimeshow Performer Bad Bunny.
Der Rapper aus Puerto Rico hat sich zuletzt bei den Grammys, wo er in der Kategorie Bestes Album gewann, gegen ICE ausgesprochen. Seine Show ist auf spanisch, heiter, erfrischend unamerikanisch. Auf der Bühne unterstützen ihn unter anderem Lady Gaga, schon lange Ikone der LGBTQ+ Community, und Pedro Pascal, der sich wo er kann für Transgenderrechte einsetzt. Auch ohne direkte Trumpkritik: Das Line-Up und die Performances als solche sind ein saftiger Mittelfinger für den Präsidenten, den er laut und trotzig auch als solchen deklarierte (auf seiner Plattform Truth Social und mit einer peinlichen Gegenveranstaltung, der ich mit keinem weiteren Satz Raum geben will).
Eine solch „fucking democrats“ Auswahl ist ein Statement, ein Aufruf, und für Europa eine kleine Aufmunterung. Wir haben ihn gebraucht, und ich sag‘s jetzt mal nochmal laut für Green Day: We‘re not part of a MAGA agenda.
Mehr Texte von Veronika Metzger
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