Art Basel Quatar: Geldregen für alle
Wenn Angelina Jolie zur Art Basel Qatar kommt, dürfte ihr als Kunstsammler bekannte Ex-Mann Brad Pitt wohl eher nicht anreisen. Dafür ist David Beckham da. Aber der ist ja häufiger in Doha. Seit der Fußball-WM 2022 ist der ehemalige Fußballer Werbebotschafter für das Emirat, das ihn für einen neunstelligen Betrag auf zehn Jahre an sich gebunden haben soll. Jetzt macht er halt cringy Werbung auf Instagram für einen weiteren Ableger der Schweizer Kunstmesse.
Mit viel Geld haben sich die Kataris die führende Brand in der Kunstmessenbranche gesichert. Ziel ist offensichtlich, sich noch vor den anderen Golfstaaten in der Pole Position im Rennen um die kulturelle Vormachtstellung zu sichern. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Dubai hat eine in zwei Jahrzehnten etablierte Kunstmesse, die Abu Dhabi Art wurde kürzlich an den Frieze-Konzern vergeben und Saudi-Arabien versucht mit der Ryadh Art Week ein messeähnliches Format zu etablieren. Die Mueseumskonzerne Guggenheim, Louvre und Centre Pompidou sind ebenfalls in die Region geholt worden, jedoch nicht nach Katar. Die Herrscherfamilie setzt hier bisher auf Autonomie und sammelt seit Jahrzehnten für eigene Museen, die sie von Stararchitekten wie I.M. Pei oder Rem Kohlhaas errichten lässt. Damit wollen sich die al Thanis unter anderem als Bewahrer der islamischen Kultur weltweit positionieren.
Für die Launchphase der Messe haben die Schweizer und die Araber ein vielversprechendes Format gefunden: Verteilt auf mehrere Stockwerke zweier Gebäudekomplexe in der hypermodernen Fußgängerzone zeigen 86 Galerien von dem ägyptischen Künstler Wael Shawky ausgewählte Einzelpräsentationen. Die Hälfte von ihnen stammt aus der größeren Region von Nordafrika bis Südasien. Die Wahl eines Künstlers aus der Region zum Direktor der Messe bringt aber einige Einschränkungen mit sich. So dürfen die Galerien während der Laufzeit der Messe nicht in die Kuratierung eingreifen und verkaufte Werke austauschen. Doch dürfte die Personalentscheidung nicht nur die Street Credibility vor Ort erhöhen. Sie hat für die Schweizer auch den Vorteil, dass man ihnen einen eventuellen Mangel an kontroversen Inhalten nicht anlasten kann.
"Song" von Jenny Holzer am Abend vor der Eröffnung, Video: Stefan Kobel
Die ausgewählte Kunst kann sich im internationalen Wettbewerb absolut sehen lassen, angefangen bei der spektakulären Lichtinstallation „Song“ von Jenny Holzer, die seit dem Abend vor der Eröffnung mit 700 Drohnen allnächtlich Gedichte des palästinensischen Poeten Mahmoud Darwish in den Himmel malt. Auf der Messe überzeugen museale Präsentationen etwa von Bruce Nauman bei Konrad Fischer (Düsseldorf/Berlin/Los Angeles), Otto Piene bei Sprüth Magers (Berlin/London/Los Angeles/New York), Nil Yalter bei 1 Mira Madrid, Pinaree Sanpitak bei Ames Yavuz (Singapur) oder Maha Malluh bei Krinzinger, der einzigen aus Wien angereisten Galerie.
Projektion von Jenny Holzer bei der Eröffnungsparty, Video: Stefan Kobel
Ungewohnt für eine Art Basel, bleiben am ersten Tag die üblichen Vollzugsmeldungen der Galerien aus. Am zweiten Tag bestätigten im Gespräch allerdings alle angesprochenen Aussteller Verkäufe. Und da war die extensive Reservierungsliste der Sheikha noch nicht abgearbeitet. Für die Galerien und ihre Künstler dürfte die Premiere der Art Basel Qatar also auf alle Fälle ein Erfolg sein. Für Katar ebenfalls, hat sich der fromme Staat doch erfolgreich als weltoffen in der Kunstwelt positioniert. Und die Schweizer dürften sich über den arabischen Geldregen freuen, der ihnen ein Modell für ein drittmittelfinanziertes Messemodell liefert.
"Otto Piene bei Sprüth Magers © Bildrecht, Wien 2026, Video: Stefan Kobel
Mehr Texte von Stefan Kobel 05 - 07.02.2026
M7
Doha, Msheireb Downtown Doha, Abdulla Bin Thani St
https://www.artbasel.com/qatar
Öffnungszeiten: Do 12-19, Fr 12:30 - 20:30, Sa 12-19 h
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