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Letztes Jahr mit Kuss

Mit Ende dieses Jahres verlässt Stella Rollig nach zehn Jahren ihren Posten als Direktorin (bzw. wissenschaftliche Geschäftsführerin) des Belvedere. Für ihr letztes Jahresprogramm hat sie 14 Ausstellungen an den drei Standorten Oberes und Unteres Belvedere und das Belvedre 21 geplant, die in großen Zügen auch die zentralen Anliegen ihrer Direktion widerspiegeln sollen. Zentraler Punkt sind dabei die Einzel- und Gruppenausstellungen von und mit Künstlerinnen. Sandra Mujinga durfte gerade erst ihre eindringliche Inszenierung im Belvedere 21 eröffnen, ihr folgen am selben Standort noch Sue Williams, Friedl Kubelka und Miao Ying und zu Jahresende die große Schau „Feminist Futures Forever“, die den aktuellen Stand feministischer Positionen und Positionierungen untersuchen will. Bezug nimmt die Ausstellung dabei auf die 1985 ebenfalls im damals noch „Museum des 20. Jahrhunderts“ benannten Pavillon unter dem Titel „Kunst mit Eigen-Sinn“ gezeigte Schau, mit Werken internationaler und österreichischer Künstlerinnen. Im Unteren Belvedere zeigt man die historischen Positionen von Anni Albers, Erna Rosenstein und Erika Giovanna Klien. Eröffnet wird das Jahr allerdings mit dem Paradekünstler des österreichischen Biedermeier, Ferdinand Georg Waldmüller.

Im Oberen Belvedere bleibt neben der Dauerpräsentation österreichischer Kunst nur wenig Platz für zusätzliche Ausstellungen. Herman de Vries und Asta Gröting setzen sich im Rahmen der Serie „Carlone Contemporary“ mit den barocken Fresken des Carlone-Saals auseinander. Die Reihe „Im Blick“ präsentiert je ein Werk von Johann Baptist Lampi d. Ä. und seinem Sohn Johann Baptist Lampi d. J. bei denen erst kürzlich Übermalungen festgestellt und bei einem Gemälde auch freigelegt wurden.

Mit den Ausstellungen und dem Publikumsmagnet Gustav Klimt sowie den weiteren Highlights der Sammlung konnte das Obere Belvedere seine Besucherzahlen seit dem Jahr 2016 auf zuletzt 1,6 Millionen verdoppeln, was natürlich Hand in Hand ging mit dem Boom des Städtetourismus, unterbrochen nur durch die Corona-Pandemie. Das Untere Belvedere steuerte noch mehr als 375.000 und das Belvedere 21 rund 99.000 Besucher:innen zum letztjährigen Rekordergebnis bei, mit dem erstmals die 2-Millionen-Schwelle überschritten wurde.

Die rund 4.600 Menschen, die täglich ins Obere Belvedere strömen, machen allerdings dem Bau und den Besucher:innen selbst zu schaffen. Die Sala Terrena ist als Eingangsbereich viel zu klein, anstehen im Freien gehört bei vielen zum Museumsbesuch mit dazu, bei jedem Wetter. Seit mehreren Jahren arbeiten Direktorin Rollig und der wirtschaftliche Geschäftsführer Wolfgang Bergmann an der Realisierung eines neuen Vistor Centers, dass das Haus unterirdisch neu erschließen soll. Die Planungen sind weit gediehen. 2027 könnte Baubeginn sein, doch das zuständige Ministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport musste angesichts des angespannten Haushalts der Republik Österreich die bereits geleistete Finanzierungszusage wieder zurückziehen. Das gut besuchte Museum könnte sich sogar die Finanzierung des gesamten Bauvorhabens in Höhe von rund 58 Millionen Euro leisten, wäre damit dann aber auf viele Jahre hinaus verschuldet. Rollig und Bergmann sind zuversichtlich, dass das Ministerium die benötigten Mittel doch noch zur Verfügung stellen kann.

Die Ausschreibung für die Nachfolge der wissenschaftlichen Geschäftsführung lief bis zum 16. Jänner. Wie das Ministerium mitteilte, sind 27 Bewerbungen fristgereicht eingegangen, davon 16 von Frauen.

⤇ www.belvedere.at

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