Gut gehütet - weiterhin
“Das Geheimnis von Velazquez” von Stéphane Sorlat
Der Dokumentarfilm “Das Geheimnis von Velazquez” ist eine bunte Mischung verschiedenster Zitate, Bilder, Musikstücke, Sprachen und befragten Personen. Von den 23 Positionen im Film sind sieben weiblich gelesen. Sie wirken irgendwie souveräner, geerdeter, können sich über die Kunst mit großen K auch mal lustig machen, ausreden dürfen sie allerdings nicht immer. Bezeichnend ist eine Szene im Zwiegespräch zweier, sie wird von ihm unterbrochen und darf danach nur noch nicken. Die Männer müssen sich mehr an Diego Velazquez abarbeiten, ihn anpreisen und im Falle der als Experten befragten Künstler mit ihm vergleichen. Im direkten Vergleich kommen die Künstler natürlich ein wenig mindertbemittelt weg - sie hätten sich aber vielleicht auch nicht selber mit einem der größten Künstler aller Zeiten messen müssen.
Neben den O-Tönen der Befragten kommen aus dem Off gelesene Zitate verschiedenster Provenienz, Schnittbilder die überhaupt nichts mit Velazquez zu tun haben (aus mir unerklärlichen Gründen sehr viel fließendes Wasser?) und langsame Schwenke über unterschiedliche Werke mit Musik im Hintergrund. In diesem Patchwork geht die eigentliche Kernaussage, sollte es eine geben, irgendwie verloren. Statt einer Dokumentation ist es wohl doch eher ein filmischer Essay - und genau mit dieser Erwartungshaltung sollte man dem Film auch begegnen. Ohne Vorkenntnisse oder Person mit Expertise neben sich stelle ich mir das ganze sehr verwirrend vor, überladen und mitunter schlicht und weg unverständlich.
Wahrscheinlich ist der Film ein Herzensprojekt des Regisseurs, der sich zusammen mit seinen befragten Experten auch an Velazquez abarbeiten wollte. Trotzdem lohnt es sich, das ganze anzuschauen. Sehr langsames Pacing und sehr ästhetische Cinematografie machen den Film zu einem entspannten Spaziergang durch Velazquez‘ Werk und Wirken. Selbst wenn mir ihr inhaltlicher Sinn sowie Velazquez‘ Werk selbst ein wenig Geheimnis bleibt, so sind die sonnigen Schnittbilder zumindest ein wunderbarer Kontrast zum Wetter gerade und laden dazu ein, sich aus dem Kino schnell in die warmen und heiligen Hallen des Kunsthistorischen zu flüchten. Das Geheimnis von Velazquez erschließt sich wahrscheinlich eh nicht durch das Anschauen eines Films - sondern durch das Anschauen von Velazquez.
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