BRAFA: Konservativ und interessiert
Über 140 Aussteller und nur ein Österreicher. Was dank der staatlichen Förderung bei der zeitgenössischen Kunst kaum denkbar erscheint, ist bei Messen für Kunst und Antiquitäten eher die Regel. Bei der Brafa in Brüssel hält Florian Kolhammer aus Wien mit seinem Jugendstil-Sortiment die Fahne hoch. Mitgebracht hat er unter anderem ein Paar Armsessel aus der zweiten Secessionsausstellung, nach einem Entwurf von Joseph Maria Olbrich produziert von Friedrich O. Schmidt. Auch Deutschland ist mit lediglich vier Ausstellern trotz der geografischen Nähe nur schwach vertreten. Beck & Eggeling aus Düsseldorf ist zum ersten Mal dabei und zeigen eine Auswahl ihres gediegenen Programms von Picasso-Graphiken bis zum Spätwerk von Heinz Mack. Die Niederrheiner werten das Segment der Nachkriegs- und zeitgenössischen Kunst auf, das in der jüngeren Vergangenheit qualitativ nicht zur Gänze mit den älteren Sparten mithalten konnte.
Das örtliche Publikum gilt immer noch als wohlhabend, versiert und interessiert. Das ist selten geworden im Kunstmarkt und macht den Standort zunehmend interessant für Galerien, zumal der Besuch in deren Ladengeschäften immer weiter zurückgeht. Die Brafa wendet sich eher an private Kunden, die für das eigene Heim kaufen oder für die eigene Sammlung. Dieses Marktsegment floriert hier auch noch, ähnlich wie in Frankreich. Das Sammeln von Alter Kunst, Antiquitäten, Antiken oder Außereuropäischer Kunst zählt nach wie vor zur bürgerlichen Kultur. Die König Baudouin-Stiftung, diesjähriger Ehrengast, wurde 1976 gegründet. Sie vereint unter ihrem Dach neben dem eigenen Bestand insgesamt rund 300 private Zustiftungen und Schenkungen von Privatsammlungen mit insgesamt 29.000 Objekten.
Wegen dieser bürgerlichen Tradition des Sammelns nimmt Christopher Kende aus Tübingen jetzt zum dritten Mal an der Brafa teil. Der Silberspezialist hat in Deutschland Kunden vor allem im süddeutschen Raum. An Belgien gefällt ihm die Offenheit der Sammlerinnen und Sammler. Zwar hat er bei seiner ersten Teilnahme das bekannte belgische Phänomen erlebt, dass die Besucher:innen seine Offerte zunächst nur interessiert begutachten, das vom Augsburger Humpen bis zur zeitgenössischen Deckeldose aus Japan reicht. Doch bereits im nächsten Jahr konnte er schon einige Abschlüsse verbuchen. Für die aktuelle Ausgabe rechnet er mit mehr. Zumal auch Kunden aus dem Rheinland ihr Kommen angekündigt haben.
Die einheimischen Sammler brauchen jedoch, wie erwähnt, ihre Zeit, bis sie einer Galerie ihr Vertrauen schenken. Aus diesem Grund nimmt Nosbaum & Reding aus Luxemburg bereits zum vierten Mal an beiden großen Messen Brüssel teil, die andere ist die Art Brussels im April. "Das ist Teil meiner Kommunikation", erklärt er. 2021 hat er einen Standort hier eröffnet. Mit Stephan Balkenhol, Tony Cragg oder Barthélémy Toguo hat er renommierte Positionen im Programm, die auch bei konservativerem Publikum Interesse wecken könnten.
Die Offenheit der Veranstaltung setzt sich bei der Zulassung von Nachwuchshändlern fort. Der junge Laurent Schaubroek aus Ghent hat seinen Handel mit Design erst 2023 eröffnet und verzichtet bewusst auf ein Ladenlokal. Die Brafa ist seine erste Messe überhaupt, mit dem Stand hat er sich entsprechend Mühe gegeben. Die Tropen hat er als Oberthema gewählt. Wogende Bahnen blauen Auslegeteppichs symbolisieren das Meer, auf dem er Tische von George Nakashima verteilt hat. An den Wänden hängen die bildmäßig wirkenden Tischplatten des letztes Jahr 97-jährig verstorbenen belgischen Designers Ado Chale. Die Beine werden separat geliefert.
Wer sich weder für die wiederentdeckte Portraitstudie eines alten Mannes von Peter Paul Rubens bei Klaas Muller aus Brüssel, noch für den Schädel eines Triceratops bei Grusenheimer-Woliner aus Brüssel erwärmen kann, wird im zeitgenössischen Bereich durchaus ebenso fündig. Martins&Montero aus Sao Paulo kombinieren an ihrem Stand aktuelles Design und zeitgenössische Kunst.
Mit ihrer Mischung aus Antiquitäten, Design, Außereuropäischer, Alter und zeitgenössischer Kunst positioniert sich die Brafa zwischen der musealen Tefaf in Maastricht und der Art Brussels. Mit Erfolg. Während letztere sich gerade gesundzuschrumpfen versucht, hat die Brafa dieses Jahr zehn Aussteller hinzugewonnen.
Mehr Texte von Stefan Kobel 25.01. - 01.02.2026
Brussels Expo
1020 Brüssel, Place de Belgique, 1, Hallen 3 & 4
https://www.brafa.art
Öffnungszeiten: 11-19h
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