Das andere gerecht
The female gaze
„For the girls, the gays, and the theys“ - also für Frauen und (gender-)queere Personen. Für den Blick eben derer macht sich die linke Internetbubble zurecht. „Man-repellent Make-Up“ steht über manchen Videos, die besonders exaltierte Looks zeigen - dabei ist es eigentlich egal, ob man einem patriarchal-konventionellen Schönheitsbild entgegeneifert oder einem, das explizit individuell sein und anecken soll. Man ist sich einig: ich präsentiere mich, ich möchte Aufmerksamkeit für meine Aufmachung, von allen, allen, außer cis hetero Männern. Ich schmücke mich für den „female gaze“. „Female“ ist hier eher als liebevolle, großzügige und bejahende Art der Betrachtung zu verstehen, denn als gender-binäres Adjektiv, die Betrachtung der Girls, Gays und Theys eben.
Diese Art der Aus- und Abgrenzung scheint legitim und gibt einen knackigen Slogan, um sich von den Erwartungen des male gaze zu befreien. Cis hetero Männer, die in dieser emanzipatorischen Überspitzung den Glitzerlidschatten erst bemerken, wenn er ihr Kopfkissen befleckt, sind sicher nie die Zielgruppe des Augen-Make-Ups gewesen. Der female gaze ist ein „Safe Space“, in dem er gezielt die eine Gruppe ausgrenzt und so gegenseitige Unterstützung innerhalb der Gruppe als Lebensgefühl vermittelt: Wie in der Diskotoilette, wo man sich gegenseitig die Haare hält, schminkt, und davon abhält dem toxischen Ex zu schreiben. Natürlich, obwohl man sich erst fünf Minuten kennt.
Das ganze ist schön und gibt einem in der misogynen Fascho-Soße des Internets die Erlaubnis, das eigene Aussehen unabhängig von cis hetero Männern zu finden, gar zu romantisieren. Es ist nichts anderes als gerecht einen Club zu haben, wo genau die nicht hineindürfen, die sonst so gerne ausschließen.
Allerdings ergeben sich auch Probleme.
Ein Dementi aus den eigenen Reihen. Doch, ich präsentiere mich mit dem Ziel, dem Patriarchat zu gefallen. Grundsätzlich ist das ja auch valide irgendwie. Die Frage ist aber, ob man sich mit einem koketten Spott von den anderen abgrenzen muss - ich bin nicht so wie die, ich halte nicht zu denen, ich will dass du mir hinterherpfeifst. Die utopische Idee von bedingungsloser gegenseitiger Unterstützung fällt genau damit in sich zusammen. Auf dem grauen Asphalt der Realität bleibt Konkurrenz und letztendlich der männliche Blick - egal wie sehr man ihn ausblenden möchte.
Ich denke, wir brauchen gerade alle den female gaze. Ein Blick der sich traut, sanft zu sein in dieser Härte, und der dadurch nicht weniger scharf oder ernstzunehmen ist. Ich denke, wenn wir uns schon in den Abgrund tanzen, treffen wir uns vielleicht doch auf der Diskotoilette.
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