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Kyiv Biennial 2025: Homelands and Hinterlands: Strategien einer fragmentarischen Bildproduktion

Der Antwerpener Teil der Kiew Biennale, Homelands and Hinterlands, bildet eine in sich geschlossene Gruppenausstellung mit acht Positionen und zielt auf Bildfragmente, die Krieg und Gewalt ins Blickfeld rücken sowie historisch signifikante Momente der letzten Dekaden berühren, wobei u.a. auf Leihgaben aus der Region gesetzt sowie eine Neuproduktion ermöglicht wurde. Die älteste Arbeit ist eine Dauerleihgabe an das M HKA und stammt von Mona Hatoum.

Recollection (1995) bildet eine Installation aus Haarfragmenten der Künstlerin, die in einem Webstuhl zum Einsatz kommen und als unzählige Haarbällchen im Raum verteilt werden, um die Verletzlichkeit des eigenen Körpers sowie seine Ausgesetztheit in Kriegssituationen zu thematisieren.  

Die herausragendste Arbeit der Ausstellung bildet die Mehrkanal Video- und Toninstallation On Shining Star Testify (2016-2019) von Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, die auf unterschiedlich große Holzpaneele Flicker-artig projiziert wird und die Ermordung eines palästinensischen Teenagers durch das israelische Militär im Jahr 2014 als Ausgangspunkt nimmt. Zu sehen ist jedoch nur eine blitzartige Abfolge von Bildern sowie Soundscapes, die auf den Schnellzugriff zu Bildern der Gewalt im Internet rekurriert.

Anna Zvyagintseva setzt sich seit 2015 in ihren nun für die Biennale neu produzierten Metallwandzeichnungen mit alltäglichen Situationen aus dem Ukraine Krieg auseinander, die sich seit dem Angriffskrieg 2022 in ihrer Heimatstadt Kiew intensivierten. Metallteile aus den Wandassemblagen fallen teilweise zu Boden, um die Brüchigkeit des Lebens als Metapher für jeden unserer Körper zu relativieren.   

Iman Issas Posterarbeiten aus 2010 stammen ebenso aus der Sammlung des M HKA und verweisen auf politische Kampagnen, bei denen das arabische Alphabet zur Geltung kommt. Grafisch perfekt gestaltet werfen sie im weiteren Fragen hinsichtlich der Wirkung von propagandistischen Mitteln auf.

Mit der Verortung der Kiew Biennale in unterschiedlichen Orten wie dem MSN Warschau oder dem Lentos Kunstmuseum in Linz werden in multipler Weise Szenarien kriegsbedingter Handlungen sichtbar, wobei die jüngsten Ereignisse in der Ukraine und in Gaza im Vordergrund der Debatte stehen. Fragmente dieser Debatte sind für Besucher:innen an den jeweiligen Orten einsehbar, da es kaum jemand schafft, die Biennale in ihrer Gesamtheit zu erfassen.

Mehr Texte von Walter Seidl

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Kyiv Biennial 2025: Homelands and Hinterlands
20.09.2025 - 11.01.2026

M HKA Museum of Contemporary Art Antwerp
2000 Antwerp, Leuvenstraat 32
Tel: +32 03 260 99 99, Fax: +32 03 216 24 86
Email: info@muhka.be
www.muhka.be
Öffnungszeiten: Di-So 11-18, letzter Do im Monat 11-21 h


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