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Arnulf Rainer 1929-2025

Die Tage, die er es an den beiden Wiener Kunsthochschulen ausgehalten hat lassen sich mit den Fingern einer Hand zählen. Auf der Suche nach einer surrealistischen Ausdrucksform hat er in Paris die große Geste des Informel gefunden, seine Werke wurden zu Ikonen der Österreichischen Nachkriegskunst. Malen im Dialog mit dem, was bemalt, übermalt wurde, gerne auch das eigene fotografierte Konterfei, eine Zwiesprache, die mitunter wie ein mit dem Pinsel geführtes Duell anmutet und bisweilen mit der nahezu völligen Auslöschung des gegnerischen Bildgrundes endete. Wer würde bei dem Begriff des Übermalens nicht an Rainer denken - Rainer der Über-Maler.

Als Lehrer mehrerer Malerei-Generationen ist von ihm die Sentenz überliefert, „seine Schüler müssten durch ihn durch“, was nicht zwingend bedeutete, dass seine Studierenden, so malen sollten wie ihr Meister. Der Satz ist weniger einem großen Ego, denn dem ständigen Zweifel an der eigenen Arbeit geschuldet. Scheitern, wie der Künstler überzeugt war, dass seine Arbeit immer vorangetrieben und vor dem „Haftenbleiben einer Bildform“ bewahrt hat. „Ich habe oft das Gefühl gehabt, dass ich mit dem, was ich gerade gemacht habe, gescheitert bin, und habe nach neuen Wegen gesucht. So habe ich immer wieder neue Möglichkeiten und Dinge entdeckt und weiterentwickelt.“

Rainers Œuvre ist nicht alleine wegen des nachgerade biblischen Alters von 96 Jahren, das er erreicht hat immens. Es ist das das ewig Widerständige und die Umstände seiner Kindheit und Jugend in den 1930er und 40er-Jahren die ihn prägten. Abstrakt zu Malen wurde damals noch völlig unverhohlen als „entartet“ bezeichnet.

Ob er Angst vor dem Tod habe? „Das Einzige, was ich weiß, ist, dass der Tote unsterblich ist. Man kann ja nicht ein zweites Mal sterben.“ In diesem Sinne ist Arnulf Rainer letzten Donnerstag unsterblich geworden.

Zitate aus einem Interview mit Lena Maculan. In: Gespräche, Österreichs Kunst der 60er Jahre. Hg. Gerald Matt und österreichisches Parlament.

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Abbildung © Kollektiv Fischka

Mehr Texte von Daniela Gregori

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