Diego Bianchi: Errores Irreales / Celina Eceiza - Ofrenda: Pervertierung des Raumes
Mit der Doppelausstellung von Diego Bianchi und Celina Eceiza zeigt die Halle für Kunst Steiermark, wie es Künstler:innen gelingt, Räume zu drehen und Sichtbarkeitsverhältnisse auf den Prüfstand zu stellen.
Im Hauptraum versammelt Diego Bianchi skulpturale Ansammlungen, deren Bestandteile als dem Müll zuordbare Versatzstücke gelten, die der Skulptur- und Performance-affine Künstler in Buenos Aires, Paris sowie während der Aufbauzeit in Graz zusammengetragen hat. Die Architektur des Raumes wurde teilweise verändert, wenn etwa durch kleine Arkaden Screens nur beim Bücken sichtbar werden, um Modenschau-ähnliche Performances zu erspähen. Teilweise werden Skulpturenteile aktiviert, die sich am Boden bewegen und Irritationsmomente hervorrufen. Autoteile, Metalle oder zerbrochene Flaschen werden in skulpturale Manifestationen eingebaut, wobei oftmals Bürostühle als Gerüstgrundlage dienen. Damit offenbart der Künstler psychosoziale Momente einer gesellschaftlich und mental fragmentierten Welt. Er schafft es, Räume zu öffnen, Wahrnehmung zu verschieben und gewohnte Sichtbarkeitsmodelle zu pervertieren.
Die ebenso aus Argentinien stammende Künstlerin Celina Eceiza nähert sich in ihrer ersten europäischen Einzelausstellung dem Untergeschoß mit einer raumumspannenden bzw. -ausfüllenden Textilinstallation, die bei Besucher*innen das Gefühl erzeugt, sich in einer Zelt-ähnlichen Beduinenlandschaft oder Wohlfühloase zu befinden. Von Raum zu Raum offenbaren sich farblich unterschiedliche Sinnebenen, die sich durch tausende Meter Stoff als im Kollektiv zusammengenähte Wand- und Bodenstrukturen ergeben. Zu sehen sind fluide Wesen und Körper, die in eine malerische Haut eingebettet sind. Der Raum wirkt weich, ist jedoch gleichzeitig mit einer immensen Kraft aufgeladen. In einer Zeit, die von gesellschaftlichen Spaltungsversuchen gekennzeichnet ist, gelten jene piktoralen Ausstellungsflächen als Zeichen der Verbindung sowie als Raum, der sich nach oben hin öffnet.
Beide Künstler:innen zeigen in unterschiedlicher Weise, wie Orte verändert, verwandelt und verzerrt werden können. Sie erschaffen neue Sichtebenen und werfen Fragen auf, wie Raum gesellschaftlich, politisch und visuell verhandelbar ist.
Mehr Texte von Walter Seidl 25.10.2025 - 18.01.2026
Halle für Kunst Steiermark
8010 Graz, Burgring 2
Tel: +43 316 740084
Email: info@halle-fuer-kunst.at
https://halle-fuer-kunst.at/
Öffnungszeiten: Di-So 11-18 h
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