Werbung
,

Art Antwerp: Von queer bis gediegen

Art Antwerp ist die letzte Kunstmesse im Kalender, und die Stimmung bei der Eröffnung ist der Jahreszeit entsprechend gelöst. Wer seinen Jahresumsatz noch nicht gemacht hat kann hier seine Bilanz aufbessern, und wer noch Weihnachtsgeschenke für andere oder sich selbst sucht, findet hier eine reiche und zugleich überschaubare Auswahl, die sich zum großen Teil auch noch alleine nach Hause tragen lässt.

Die kleine Veranstaltung mit aktuell 79 Galerien hat sich in ihren fünf Ausgaben einen Ruf als solide Regionalmesse erarbeitet, die bei manchen Galerist:innen sogar einen besseren Ruf genießt als ihre Mutter Art Brussels. Das könnte auch daran liegen, dass die Organisation hier flexibler erscheint, da bei der Einladungsmesse etwa das aufwendige und oft undurchschaubare Bewerbungsverfahren wegfällt. Nicolas Veidig-Favarel hat mit seiner Galerie Double V aus Marseille zweimal in Brüssel teilgenommen und ist jetzt nach Antwerpen gewechselt.

Die Art Antwerp bedient einen Trend hin zu alternativen Messeveranstaltungen, nachdem viele Galerien das Modell der international ununterscheidbaren Konzernmesse als überteuert und wenig zielführend empfinden. Isabel Balzer aus Basel, die nach der Einstellung ihrer balzer projects vor zwei Jahren mit See you next Tuesday neu gestartet ist, erklärt, dass Boutiquemessen wie diese, selbstorganisierte Events wie Basel Social Club oder eine Messe wie die Artissima in Turin mit ihren verschiedenen Sonderformaten viel besser zu ihrem femininen und intergenerationellen Programm passen.

Dürst Britt & Mayhew aus Den Haag stellen zum vierten Mal hier aus, und immer mit Solo Shows von Künstlerinnen. "Vielleicht machen wir das, um dem komplett weiblichen Messeteam zu gefallen," scherzt Alexander Mayhew.  Tatsächlich bevorzugt die Galerie bei allen Messeteilnahmen Einzel- oder Zweierpräsentationen. In Antwerpen zeigt sie Gemälde (ab 2.000 Euro), Wandobjekte (3.500 Euro) und Skulpturen (5.000 Euro) der 1989 in Neuseeland geborenen Maja Klaassens. Am Eröffnungsabend konnte die Galerie je ein Werk an Sammler aus Belgien und den Niederlanden sowie die Holländische Nationalbank verkaufen.

Zwei der größeren Galerien kombinieren belgische Symbolisten mit neueren Positionen. Richard Saltoun (London/Rom) wählt einen eher chronologischen Ansatz, indem er einen Bogen vom grafischen Werk Fernand Khnopffs aus dem späten 19. Jahrhundert (ab 4.000 Euro für Lithografien) über die Schreibmaschinenzeichnungen von Henri Chopin (2.500 - 6.000 Euro) aus den 1970ern und 80ern bis zu den aktuellen Goldgrundcollagen von Ria Verhaege (5.500 Euro). Guy Pieters aus Knokke umgibt die neuen Hochglanzskulpturen Jan Fabres (ab 75.000 Euro) mit teils noch expliziteren Zeichnungen von Felicien Rops (ab 20.000 Euro). "Die erotischen sind etwas teurer", heißt es am Stand.

In Antwerpen ist für alle etwas dabei, von der queeren Avantgarde bis zur gediegenen Altherrenkunst, und das meist zu verkraftbaren Preisen. Erstaunlich ist jedoch die fast vollständige Abwesenheit von Galerien aus deutschsprachigen Ländern. Aus Österreich ist niemand agereist, aus Deutschland lediglich Martin Kudlek aus Köln und aus Karlsruhe/Berlin die Galerie Burster. Vielleicht sind die rheinischen Galerien noch ermattet von der Art Cologne, die ja auch erst vor einem Monat stattgefunden hat und sie tauschen den Kunst- gegen Weihnachstmarkt. Dort stimmen wenigstens die Umsätze.

Mehr Texte von Stefan Kobel

Werbung
Werbung
Werbung

Gratis aber wertvoll!
Ihnen ist eine unabhängige, engagierte Kunstkritik etwas wert? Dann unterstützen Sie das artmagazine mit einem Betrag Ihrer Wahl. Egal ob einmalig oder regelmäßig, Ihren Beitrag verwenden wir zum Ausbau der Redaktion, um noch umfangreicher über Ausstellungen und die Kunstszene zu berichten.
Kunst braucht Kritik!
Ja ich will

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung

Art Antwerp
11 - 14.12.2025

Antwerp Expo
2020 Antwerpen, Jan van Rijswijcklaan 191
https://art-antwerp.com
Öffnungszeiten: Messetage 11-19 h


Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2026 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: