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Wer und was sich gehört

Ideen von Identifikation in den Galerien Martin Janda, Reinthaler und Steinek

Die Galerien im ersten Bezirk scheinen sich abgesprochen zu haben, so stringent und lückenlos fügen sich ihre Ausstellungen in ihrer Fragestellung in einander. Galerie Steinek mit Matthias Hermann, Galerie Martin Janda mit Christine und Irene Hohenbüchler, Galerie Reinthaler mit Catharina Bond. Alle beschäftigen sich mit der Suche nach Identität.

Matthias Herrmann zeigt eine Reihe kleinformatiger Fotos auf Augenhöhe, die dazu einladen, den Künstler auf genau dieser auch zu begegnen. Es sind Aufnahmen, die in der Identität Intimität hervorheben. Sie sind besonders und zugleich bodenständig in ihrer Alltäglichkeit. Doch Matthias Herrmann reiht sich und seine Fotos ein in eine künstlerische Tradition, fädelt Perlen der Kunstgeschichte zwischen seine Bilder. Es gibt dem ganzen eine gewisse Romantik, die nicht überheblich wird, als könnte auch das eigene Leben so aussehen. Betrachtet man es nur durch die Linse von Matthias Hermann, hängt man nur die alten Meisterwerke daneben. Es ist sympathisch, dass man teilhaben darf. In einer Weise stellt die Galerie Steinek aus, was Instagram mal werden wollte, wäre es nicht so abgedriftet. Ein intimes und doch kuratiertes Mitteilen, immer das selbe Format, geordnet nach Assoziation, eingeordnet in das, was einen zum eigenen Mitteilen inspiriert hat. Selbstdarstellung, ohne sich zu ernst zu nehmen (aber auch bloß nicht zu wenig ernst!).

Die Suche nach Identität bringt Christine und Irene Hohenbüchler zur Kollektivität. Der Gedanke ist gut gemeint, doch die Werke schwimmen ein wenig. Man weiß nicht so genau, was sie eigentlich mit einander zu tun haben außer dem Gut-Gemeint-Sein. Die Schau soll wohl die Entwicklung ihrer Kunst darstellen, wirkt aber vor allem im direkten Vergleich der Galerien buchstäblich zu wässrig. Man ist eben nicht ganz “Inmitten von…”, wie der Name es verspricht, sondern ein wenig außen vor. Neben den selbstironischen und selbstreferenziellen Arbeiten in den anderen Ausstellungen sieht diese Kunst brav aus. Es fehlt irgendwie eine klare Ansage oder zumindest ein Augenzwinkern. Es ist vielleicht ein bisschen unfair, da das vor allem in der direkten Gegenüberstellung der Galerien auffällt. Die Ausstellung für sich ist stimmig. Aber wenn wir bei der Instagram-Analogie bleiben: Meine durch das Internet korrumpierte Aufmerksamkeit hält die Schau nicht lange genug.

Catherina Bonds Arbeiten sprechen die Suche nach Identität am offensichtlichsten aus. Wohl auch aus konkretem Anlass, den die Künstlerin in einem Gen-Test und der Frage nach ihrer Herkunft fand. Ihre Werke sind poppig und witzig, ein trotziges Entgegengrinsen, obwohl die Antworten bei der Identitätssuche für die Künstlerin wohl nicht immer zufriedenstellend waren. Antworten per se bleibt uns die Künstlerin auch schuldig. Mit einem Schulterzucken nimmt die Künstlerin also ihre Fragen als solches wahr und verspricht auch nie mehr als das. Die Verwendung von Textil und Mut zur betonten Unvollkommenheit sind im Genderkontext sehr erfrischend und laden dazu ein, selber ein bisschen nonchalanter mit der Frage nach Identität umzugehen.

Die verschiedenen Positionen in den Galerien stellen ähnliche Fragen und formulieren sie vollkommen unterschiedlich - Matthias Hermann in der Galerie Steinek hat mich allerdings auf meiner Suche nach den richtigen Worten am meisten inspiriert.

⤇ Matthias Herrmann - Recent Pictures Steinek25
silvia steinek galerie
28.11.25 - 15.01.26

⤇ Christine & Irene Hohenbüchler - Inmitten von…
Galerie Martin Janda
28.11.25 - 10.01.26

⤇ Catharina Bond - What Shells
Galerie Reinthaler
28.11.25 - 17.01.26

Mehr Texte von Veronika Metzger

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