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Die Weißheit mit Löffeln

“Cloud Dancer”: Weiß ist die Farbe von 2026

Wie jedes Jahr kürt Pantone, auf der eigenen Website “a leading source of color expertise” beschrieben, die Farbe des kommenden Jahres. Wir hatten schon allerhand. 2024 gab uns “Peach Fuzz” - ein eskapistisches Comeback des Millenial-Coral, das alle vergessen wollten und doch zu nostalgisch dafür waren. Für 2025 bekamen wir “Mocha Mousse”, also eigentlich braun. Aber das passt ja, es wurde auch politisch eigentlich braun. Pantone wählt nicht nur einen Ton, Pantone gibt den Tenor vor. Ein Abbild der Gesellschaft, wie sie sich formt und färbt. Das Braun ist im Nachhinein leicht zu bewerten, das Weiß umso beunruhigender. Von allen Farben dieser Welt, in diesem politischen, latent rassistischen Diskurs ist ein Weiß für 2026 gewählt worden: “Cloud Dancer”.

Man nenne es, wie man will: Es ist a whiter shade of pale, es ist noble Blasiertheit, es ist ein Indikator dafür, was uns blüht. Weiß ist die beste Farbe, lasst sie Kuchen essen, lasst sie, lasst sie, ich habe damit nichts zu tun. Blass wie die Damen im nun wieder trendigen Heroin-Chic, blass wie verblassen weil wir alle vergessen wollen oder sollen. Man kann es Pantone vorwerfen, ein bisschen ins Fettnäpfchen getreten zu sein. Ich glaube aber, sie haben es doch bewusst gewählt. Es ist das White-Supremacy-Weiß, das zum Farbton des Jahres gekrönt wird. Absolut furchtbar, moralisch, absolut getroffen, zynisch. Pantone, ist das, was langsam unter der bunten Wokeness vor sich hin glüht? Im besten Fall steht das Weiß für nichts, lebt in zufriedener Mittelmäßigkeit und wird sich nie Sorgen machen, bis die Sorgen es selbst konkret betreffen. Im schlimmsten Fall ist es das selbsternannte Nonplusultra und lässt nichts zu außer sich. “Cloud Dancer” ist der Farbton, den sich Ludwig XVI unter den Schönheitsfleck schminkt. Der vom Atompilz am Horizont. Oder auch nur die Wandfarbe der im Preis steigenden WG - man weiß es wohl noch nicht.


Mark Tansey
Triumph Over Mastery II, 1987
246,7 x 173 cm
Detail
Abbildung Courtesy Sotheby's

Mehr Texte von Veronika Metzger

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