Auch Rekorde sind relativ
Die Herbstauktionen in New York brachten nicht nur Rekordpreise etwa für Klimt (⤇ das artmagazine berichtete), Frida Kahlo oder Maurizio Cattelan (bei diesem aber vor allem durch den Goldwert), sondern generell gute Ergebnisse bei Moderne und Zeitgenössischer Kunst. Die Erfolge waren aber nicht nur auf eine wiederkehrende Kauflust zurückzuführen, sondern vor allem auf die exzeptionelle Qualität der einzelnen Werke, die noch dazu aus bekannten Sammlungen stammten. Das heißt auf jeden Fall dass Sammler:innen bereit sind, für einzigartige Kunst auch sehr hohe Preise zu bezahlen.
Auch das Dorotheum konnte in Wien bei der Contemporary Week einige sehr gute Ergebnisse erzielen. Dazu zählte jedenfalls der „kauernde Rückenakt“ von Egon Schiele (3,23 Mio € inkl Aufgeld) bei der Moderne-Auktion, die das Dorotheum als die bisher erfolgreichste in der Geschichte des Auktionshauses bezeichnete. Bei den Zeitgenossen vervierfachte schon das erste Los seinen oberen Schätzwert. Die Two InquisitorsII des tschechischen Künstlers Mikuláš Medek erreichte 812.500 Euro (inklusive Aufgeld). Mehr als den doppelten Schätzwert erreichte Linie č. 109 (Linien Nr. 109) von Medeks Landsmann Zdeněk Sýkora, das für 737.500 Euro verkauft wurde (inklusive Aufgeld). Österreichische Kunst kann man zumindest als gefragt bezeichnen. Werke von Hermann Nitsch, Martha Jungwirth und Maria Lassnig blieben auch inklusive Aufgeld unter ihren oberen Schätzwerten. Rekorde gab es trotzdem für Markus Prachenskys Rot auf weiß – Sebastianplatz (€ 143.000 inkl. Aufgeld) und Herbert Brandls ohne Titel aus dem Jahr 2005, das um 175.500 Euro inklusive Aufgeld weitergereicht wurde und nun das teuerste je auktionierte Werk des in diesem Jahr verstorbenen Künstlers ist. In diesem Fall ist allerdings klar nachzuvollziehen, dass es für den oder die Vorbesitzer:in ein Verlustgeschäft war, denn gekauft wurde es von dieser Person im Jahr 2022 um brutto 146.750,- Euro ebenfalls im Dorotheum. Bei einem Aufgeld von 30% lag der Zuschlag also bei 135.000 Euro und davon werden noch die Verkäufergebühren abgezogen. Stabil genug für schnelle Gewinne ist der Markt in Österreich also noch nicht.
Mehr Texte von Werner Remm
Teilen




