Peter Sandbichler - objective correlative: Von der Idee zur Form
Drei große Skulpturen hängen im langgezogenen Ausstellungsraum der Galerie Thoman an der Wand. Ihre Form erscheint seltsam vertraut, ja körperlich, doch sind die Elemente in ihrer Dimension dem menschlichen Maß nicht zuordenbar.
Tatsächlich greifen diese neuen Arbeiten von Peter Sandbichler, die der Künstler im Rahmen seiner fünften Einzelausstellung in der Galerie präsentiert, auf reale Vorbilder zurück. Im Rahmen seiner Auseinandersetzung mit historischen Vorbildern an der Schnittstelle von Design und Kunst, stieß Sandbichler auf die „Molded Leg Splints“ des berühmten Designerduos Ray and Charles Eames, die in den 1940er Jahren eine reale Problemstellung mit Pragmatismus und Designvermögen lösten.
Die US-Armee beauftragte die Designer mit der Produktion von leichten, rasch in großer Stückzahl herstellbaren Beinschienen, um Soldaten mit Beinverletzungen stabil und schnell vom Schlachtfeld abtransportieren zu können.
Sandbichler geht in seiner Auseinandersetzung mit dieser „Alltagsskulptur“ des Designer-Paares dem Gestaltungs- und Produktionsprozess auf den Grund. Er fertigt eigenhändig die Pressform die er benötigt, um die Sperrholzschichten unter hohem Druck verleimen und in die gewünschte Form bringen zu können. Gleichzeitig enthebt er die Skulpturen durch Ihre Vergrößerung über das menschliche Maß hinaus ihrer ursprünglichen Funktion und transformiert sie zur reinen Form, die auch den kriegerischen Hintergrund der Vorlage vergessen lässt.
Doch so ganz unpolitisch will Peter Sandbichler die Arbeiten dann doch nicht gelesen wissen und stellt ihnen in der Ausstellung Arbeiten aus der Werkserie der Origami-Faltungen gegenüber, an denen er kontinuierlich seit mehreren Jahren arbeitet. Streng geometrisch gefaltete Zeitungsseiten wandeln auch hier die ursprüngliche Funktion der Information der Leser:innenschaft in ästhetische Objekte, doch bleibt der Kontext erhalten und die Botschaft zumindest in Ansätzen lesbar. „Waffen, Männer, Geld und Tod“ bringt eine Headline der ZEIT, die Thematik auf den Punkt. Die Transformation in Kunstwerke verleiht den höchst vergänglichen Zeitungsseiten eine Dimension der Dauerhaftigkeit und aktiviert das gesellschaftspolitische Potential von Peter Sandbichlers künstlerischer Praxis.
In weiteren Arbeiten greift der Künstler frühere Produktionen wieder auf, etwa indem er die „Structure #01“, aus dem Jahr 2006 nochmals in Beton abgießt, oder in seiner Serie von „Bones“, in der er vom Fleischhauer geschnittene Knochen in schichtverleimtem Holz nachbaut und durch extreme Vergrößerung auf ihre skulpturale Qualität hin befragt. Hier gelingt es Sandbichler durch die Verknüpfung ästhetischer Fragestellungen mit dem künstlerisch-handwerklichen Produktionsprozess seinem Werk eine spielerische Dimension hinzuzufügen und Beziehungen zwischen Kunstwerk, Raum und Betrachter:in offenzulegen.
Mehr Texte von Werner Remm 05.12.2025 - 14.03.2026
Galerie Elisabeth & Klaus Thoman
1010 Wien, Seilerstätte 7
Tel: + 43 1 512 08 40
Email: galerie@galeriethoman.com
http://www.galeriethoman.com
Öffnungszeiten: Di–Fri 11–18, Sa 11-15 Uhr
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