paper positions Wien: So geht Spezialmesse
Die zweite Ausgabe der paper positions in Wien hat sich dieses Jahr ins Semperdepot eingemietet. Das vom Architekten Gottfried Semper und Carl Freiherr von Hasenauer erbaute k.k. Hoftheater-Kulissendepot beherbergt heute Ateliers und Werkstätten der Akademie der bildenden Künste Wien und gehört mit dem dreistöckigen offenen Prospekthof und dem daran anschließenden Ausstellungsraum mit mehreren Säulenreihen zu den spezielleren Veranstaltungsräumen Wiens und ist daher nicht leicht mit einer Kunstmesse zu bespielen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die paper positions hat eine der ausgeklügeltsten Lösungen gefunden, den teilnehmenden Galerien genügend Platz in dem nur 830 m² großen Raum zu bieten.
Flache Messekojen an den Längsseiten und an der Rückseite rahmen locker im Raum verteilte weitere Kojen ein. Die Anordnung bricht das strenge Raster der Säulen auf und bietet vielerlei Durchblicke und kleine Plätze, die fast dörfliche Strukturen vermitteln. Die flachen u-förmigen, frei stehenden Messestände werden außerdem auf der Innen- und Außenseite von unterschiedlichen Galerien genutzt, was interessante Begegnungen mit unterschiedlichsten Werken ermöglicht.
Die Spezialisierung der Messe auf Kunst auf und aus Papier wird von den Galerien nicht als Einschränkung, sondern als Chance betrachtet, die vielen Facetten des Mediums zugänglich zu machen. Die Bandbreite reicht vom klassischen Aquarell wie etwa Emil Noldes „Blühende Kakteen“ aus dem Jahr 1930 bei Friedrichs Pontone aus New York, die für das 48 x 34,5 cm messende Blatt 192.000 Euro veranschlagen, bis zu Angela Glajcars dreidimensionalen Papierstaffelungen, die am selben Stand angeboten werden. Sehr speziell auch die Arbeiten von Anya Triestram bei Leuenroth aus Frankfurt am Main, die ihre Linoldrucke auf MDF so mit Kunstharz veredelt, dass sie den Eindruck von Keramik vermitteln. Überhaupt erweckt die Messe durchwegs den Eindruck, dass die Galerien nicht nur Gängiges aus der möglichen Vielfalt des Mediums präsentieren. Darunter etwa die 104 Arbeiten von Ida-Marie Corell aus ihrem Zyklus „Veni Vidi Venus“ rund um die Venus von Willendorf bei AOA;87 aus Berlin (je 1.300 €) und selten gezeigte „Sound Drawings“ von Constantin Luser bei Hilger um 2.600 Euro. Dass Papier auch im (sehr) großen Format seine Wirkung entfalten kann beweist Jongsuk Yoon mit einer 154 x 253 großen Gouache auf Papier, die bei der Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder um 37.500 Euro zu haben ist.
Deutlich kleiner, aber in ihrer Wirkung nicht weniger eindrücklich sind zwei Mischtechniken von Helena Huneke (1967 – 2012) bei der City Galerie Wien, die aktuell auch den Nachlass der Hamburger Künstlerin betreut. Neben dem Klassiker Arnulf Rainer zeigt die Galerie Ruberl Werke der Ukrainerin Olga Shcheblykina in Öl und Acryl auf Papier. Die 1986 geborene Künstlerin macht gerade ihren Abschluss an der Kunstuniversität Linz. Jochen Höller widmet sich in seinen Arbeiten den Büchern, die er auf unterschiedlichste Weise bearbeitet, zerschneidet, regelrecht seziert und in neue Zusammenhänge stellt. Beispiele gibt es bei der L.art Galerie zu sehen. Dazu passen die Zeichnungen und Überschreibungen auf den Innenseiten von antiquarischen Buchdeckeln von Ralf Witthaus, bei der Galerie Emmanuel Walderdorff aus Molsberg. Eindrücklich auch die in Wien noch wenig bekannten expressiven Arbeiten von Petra Schott bei konsum 163 contemporary aus München.
Die paper positions bildet den wirklich gelungenen Schlusspunkt im Messekalender Wiens und man darf hoffen, dass der im vergangenen Jahr gestartete Versuchsballon einer Kunstmesse für Papier in Zukunft eine fixe Position unter den Kunstmessen der Bundeshauptstadt einnehmen wird.
Mehr Texte von Werner Remm 13 - 16.11.2025
Semperdepot
1060 Wien, Lehargasse 8
https://www.paperpositions.com/de/staedte/wien
Öffnungszeiten: Fr, Sa 11-19, So 11-18 h
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