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Art & Antique Hofburg: Mehr ist nicht immer mehr

Mit der Art & Antique in der Hofburg hat soeben die zehnte (!) Kunstmesse dieses Jahres in der Bundeshauptstadt eröffnet. Die Messe für Kunst & Antiquitäten ist die traditionsreichste unter den Wiener Messen, denn ihr Gründungsjahr reicht zurück bis ins Jahr 1968. Als Leistungsschau des Wiener Kunst- und Antiquitätenhandels konzipiert, lässt sich an der Messe ablesen, wie stark sich die Sammelgewohnheiten und das Messegeschehen verändert haben.

Der klassische Antiquitätenhandel befindet sich trotz so prestigeträchtiger Veranstaltungen wie der TEFAF auf dem Rückzug. Wie sehr dadurch auch die Preise unter Druck geraten sind, zeigt sich auf der Art & Antique etwa anhand eines mächtigen Prunkschranks Louis XV hergestellt in der Werkstatt von Johann August Nahl in Potsdam um 1750/60. Beim Kunsthandel Markus Strassner aus Schärding soll das gute Stück 39.000 Euro kosten, dabei war es vor wenigen Jahren beim Auktionshaus Koller in Zürich noch um 108.000 Schweizer Franken ersteigert worden. Auch Peter Kössl versucht sich als einer der letzten seiner Zunft mit einem übervollen Messestand mit Möbeln, Schmuck, Silber, Skulpturen und Teppichen zu behaupten. Weniger wäre hier allerdings mehr.
Eine Klasse für sich ist wie immer Christoph Bacher mit seinen Antiken, diesmal etwa mit einer Büste des ägyptisch-hellenistischen Gottes Serapis aus Grauwacke (58.000 €).

Beim klassischen Kunsthandel geht der Trend ja schon seit Jahren in Richtung Zeitgenossen bzw. Kunst nach 1945. Kleinskulpturen von Erwin Wurm finden sich nicht nur bei Galerien wie Zimmermann und Kratochwill oder der Galerie 422, sondern gleich bei mehreren Kunsthandlungen. Die Devise lautet, einen möglichst breiten Mix anzubieten. Eine kleine Entdeckung gibt es etwa bei der Galerie Maier (Innsbruck) in Form einer Skulpturenedition von Florian Schaumberger. Die etwa 30x7x12 cm große Skulptur wurde in kleiner Auflage von 30 Stück von der Österreichischen Nationalbank herausgegeben und war nicht zum Verkauf gedacht. Vorbild war Schaumbergers monumentales Werk „Euro 2000“, das seit dem Jahr 1997 vor dem Geldzentrum in der Wiener Garnisongasse steht. Die kleine Version ist nun um 3.500 Euro zu haben. Durch die Ausstellung „Experiment Expressionismus“ dieses Jahr in der Heidi Horten Collection nobilitiert wurde das Bild „Madonna Ihrer Zeit“.von 1922 der wenig bekannten Malerin Irene Hözer-Weineck, das der Kunsthandel Freller um 38.000 Euro anbietet. Wer es jetzt schon weihnachtlich mag, wird beim Kunsthandel Runge mit einer Krippe aus dem Riesengebirge um 4.800 Euro fündig. In vielen meist heroischen Varianten ins Bild gesetzt hat Markus Pernhart den Großglockner, gerne auch mit winzig erscheinenden Kletterern. Eine 53x68 cm große Version von Österreichs höchstem Gipfel hängt Stand der Galerie Magnet. Bei den Zeitgenossen fällt eine Zuckerskulptur von Thomas Feuerstein bei der Galerie Elisabeth & Klaus Thoman auf. Den Zucker dazu hat der Künstler im Bioreaktor durch das „Verdauen“ einiger Bücher gewonnen.

Generell ist das Angebot durchaus ansehnlich, allerdings leidet die Art & Antique durch ihren Termin gegen Jahresende an den vielen anderen vergleichbar großen Kunstmessen Wiens. Immer wieder sieht man die selben Kunstwerke. Dadurch fehlt der Art & Antique mittlerweile ein Alleinstellungsmerkmal – die Hofburg als besondere Location macht das nicht wett. Schmerzlich auch das Fehlen von wichtigen Händlern wie der Galerie Ruberl und Giese und Schweiger. Ruberl hat sich für die zur selben Zeit stattfindende, ausschließlich zeitgenössische Paper Positions entschieden und Alexander Giese erklärt sein Fehlen mit einer generellen Nachdenkphase was Messeauftritte betrifft. Junge zeitgenössische Galerien die erstmals teilnehmen, können diese Lücke nicht füllen und Sonderpräsentationen von Glaskünstler Robert Comloj und des Magazins Schlossseiten schauen zu sehr nach Raumfüller aus. Einzig die Sonderpräsentation der hängenden Skulpturen des ukrainischen Künstlers Aljoscha im Eingangsbereich bildet einen interessanten Kontrast zur höfischen Architektur.

In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten wie sie aktuell für den Kunsthandel herrschen, ist es verständlich, dass man versucht, möglichst viele Möglichkeiten der Präsentation und des Verkaufs zu nutzen, den einzelnen Messen würde aber eine klareres Profil und weniger more oft he same sicher nutzen.

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Korrektur: die Art&Antique ist nicht wie ursprünglich geschrieben die neunte, sondern die zehnte Kunstmesse in Wien 2025

Mehr Texte von Werner Remm

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Art & Antique Hofburg
13 - 16.11.2025

Art & Antique, Hofburg
1014 Wien, Hofburg / Heldenplatz
Tel: +43 (1) 587 12 93, Fax: +43 (1) 587 12 93 /DW 20
Email: office@mac-hoffmann.com
http://www.artantique-hofburg.at
Öffnungszeiten: 11 - 19 h


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