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Preis der Nationalgalerie 2026 geht an Maurizio Cattelan

Mit Maurizio Cattelan wird einer der einflussreichsten Künstler der Gegenwart geehrt, der erstmals mit einer Einzelausstellung in Deutschland vertreten sein wird. Seine Werke, die sich zwischen Skulptur, Installation und konzeptueller Praxis bewegen, sind geprägt von scharfem Humor, bitterem Ernst und einer tiefgehenden Reflexion gesellschaftlicher Strukturen. Die Ausstellung zum Preis der Nationalgalerie wird zur Berlin Art Week im September 2026 in der Neuen Nationalgalerie eröffnet.

Emma Lavigne, Sam Keller, Klaus Biesenbach, Jury:
„Mit seiner Co-Kuratorenschaft der 4. Berlin Biennale hat Maurizio Cattelan vor fast zwei Jahrzehnten entscheidend zur internationalen Positionierung Berlins als Zentrum der Gegenwartskunst beigetragen.

Heute, 20 Jahre später, eröffnet eine Einzelausstellung in der Neuen Nationalgalerie die Möglichkeit, diesen prägenden Einfluss in einem neuen gesellschaftlichen und kulturellen Kontext zu reflektieren.

Cattelans Werk ist geprägt von Themen wie Macht, Religion, Tod, Humor und Erinnerung – Fragestellungen, die in Berlin mit seiner komplexen Geschichte besonders präsent sind. Als italienischer Künstler, der international wirkt, bringt er eine dezidiert europäische Perspektive auf Fragen von Identität, Verantwortung und kollektiver Erinnerung. Seine Arbeiten laden dazu ein, Geschichte provokant, kritisch und zugleich poetisch zu denken.

Gerade in Deutschland, wo die Formen des Erinnerns derzeit neu verhandelt werden – zwischen den letzten Generationen mit direkter Verbindung zur NS-Zeit oder Prägung in den Nachkriegsjahrzehnten und einer jüngeren Generation, die globale Perspektiven einbringt –, erhält Cattelans Werk besondere, aktuelle Relevanz.

Seine ikonischen Gesten, die zwischen Übertreibung, Ironie und Schmerz changieren, hinterfragen die Rituale des Gedenkens, evozieren Geschichte und Geschichten und eröffnen neue Sichtweisen auf unsere gesellschaftlichen Diskussionen und Debatten. In einer Zeit zunehmender politischer Polarisierung kann seine Kunst helfen, Erinnerung nicht als Zwang oder Pflicht, sondern als ebenso lebendigen wie relevanten Umgang mit der Gegenwart und Zukunft zu begreifen.

Auch seine ironische Infragestellung von Autorität und „Wahrheit” gewinnt heute neue Aktualität. In einer Phase, in der Institutionen – Museen, Politik, Medien – ihre Glaubwürdigkeit und gesellschaftliche Rolle neu definieren müssen, thematisiert Cattelan Machtverhältnisse innerhalb und außerhalb des Kunstsystems – stets ohne moralischen Zeigefinger. Seine Arbeiten regen dazu an, über persönliche Verantwortung, Repräsentation von Geschichte und die Grenzen institutioneller Kritik und Autorität nachzudenken.

In einer Atmosphäre politischer und sozialer Verhärtung wirkt Cattelans subversiver Humor als befreiendes Mittel. Er zeigt, dass Provokation und Komik nicht bloß Ausdruck von Zynismus sind, sondern Formen des Widerstands und der konstruktiven Reflexion. Gerade im deutschen Kontext, in dem gesellschaftliche Debatten häufig moralisch aufgeladen sind, eröffnet seine Kunst neue Räume des Denkens – jenseits von Empörung und Polarisierung.

Cattelan ist kein Künstler der Eindeutigkeit. Seine Stärke liegt darin, Ambivalenzen auszuhalten, Widersprüche sichtbar zu machen und neue Fragen zu stellen. Genau dieses Denken im Dazwischen kann produktive Irritation erzeugen – und erinnert daran, dass Uneindeutigkeit keine Schwäche, sondern eine Voraussetzung für kritisches Bewusstsein ist.

Die Neue Nationalgalerie, mit ihrem ikonischen Bau von Mies van der Rohe, ist als Ort zwischen Moderne, 20. und 21. Jahrhundert und Gegenwart prädestiniert, Cattelans Werk in seiner Vielschichtigkeit zu zeigen – als Spiegel und Kommentar unserer Zeit.“

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Abbildung: Maurizio Cattelan, Neue Nationalgalerie, Berlin, © Peter Rigaud, 2025

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