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Was zwischen uns wächst: Zusammenwachsen

Irgendwann hat ein Fisch Beine bekommen und ich muss mich jetzt mit dem Patriarchat beschäftigen. Grund genug, sich zu beschweren (sowieso), Grund genug, dem Ganzen auf den Grund zu gehen. Die Ausstellung “Was zwischen uns wächst” in den SOHO STUDIOS hat eine biologische Herangehensweise an Mensch- und Weiblichkeit, die sich inklusiv, charmant, und unproblematisch zeigt. Wer hätte gedacht, dass die Biologie, die angeblich so viele Gender ausschließt, Vielfalt wachsen und walten lassen kann?

Die fünf Positionen der Ausstellung haben den Anspruch, “Kunst und Wissenschaft zusammen[zu]bringen und Feminismus und Ökologie als verflochtene Kräfte sichtbar [zu] machen”. Es ist eigentlich ganz buchstäblich zu verstehen, wie die Werke aus vielem eins machen (Collagen, Performances mit dem Publikum), und aus einem viel (Häkeln, Kombucha brauen). Die eigentlich sehr konservativen Rollen von beispielsweise Handarbeit und Kochen werden eingesetzt, um Platz einzunehmen. Womöglich ist Feminismus leichter zu schlucken, wenn man ihn in einem Löffel Trad-Wife-Zucker füttert. Die Kunstwerke für sich sind interessant und vielseitig, die Kuration wird ihnen aber vielleicht nicht ganz gerecht. Für sich erobern die Positionen Wort und Werk der Weiblichkeit zurück, zusammen bleibt nicht genug Platz für alle - und eigentlich geht es ja genau um das Gegenteil. Dennoch ist die Ausstellung eine Bereicherung, sie ist eingängig und nicht im Bobo-Mief des ersten Bezirks verloren.

So zugänglich die Ausstellung einem begegnet, so verwirrend ist leider das Textmaterial. Wer sich in den Werken nicht wiederfindet, darf nicht auf Hilfe hoffen - aber sich mit Wörtern wie “Petromaskulinität” und seltsam angeberisch langen Sätzen herumschlagen. Sehr macht das zunichte, wie greifbar und niederschwellig die Ausstellung eigentlich daherkommt. Können wir hier zusammen wachsen oder müssen wir zusammenwachsen? Ich bin immer ein Fan davon, die Lesenden, Schauenden, Interessierten nicht für dumm zu verkaufen. Doch die Ausstellung, die zuvor so nonchalant großzügig mit ihrem Wissen umgegangen war, zeigt mir die nun Zunge und ich fühle mich dumm; nicht verkauft, preisgegeben. Verdient, vielleicht. War auch sicher nicht so gemeint - aber das Glashaus lässt Missverständnis gedeihen und die Steine liegen schwer auf dem Herzen. Der Konsens, der Sinn und Zweck von gemeinsamer Kommunikation wirkt verspottet. Womöglich spricht diesmal also die Kunst für sich. Das kann sie durchaus - aber das muss sie auch.

Mehr Texte von Veronika Metzger

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Was zwischen uns wächst
04.12.2025 - 22.01.2026

Soho Studios
1160 Wien, Sandleitenhof, Liebknechtgasse 32
Email: info@sohostudios.at
https://sohostudios.at/


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