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Georg Pinteritsch - Im Dienst der Zugehörigkeit, in der Gruppe der echten Jungs, sich so zu verhalten, wie es belohnt wird: Weh dem, der trügt

Traue nie dem schnellen Blick! Gleich scheint man die kleinen auf Schwarz und Rot farbreduzierten Bilder anhand von flüchtig gelesenen Details oder dem Titel einordnen zu können. Man erblickt allseits bekannte Motive, denkt etwa bei der Fauna wie Flora an Bildteppiche und bleibt an gewaltsamen oder erotischen Details hängen wie an Dornen. Alles vertraut und doch ganz anders in den Werken von Georg Pinteritsch und deren Inszenierung in seiner ersten, von Sarah Jonas kuratierten Einzelausstellung, im Linzer Lentos.

Der Titel der Ausstellung, soviel ist gewiss, ist der längste des Jahres. Doch ganz so hart wie die Jungs scheinen, sind sie dann doch nicht, viel mehr sind sie verletzlich, verwundet oder -wie im Falle des Wandteppichs „Funeral of a Mystery Shoppers“- verstorben.

Es sind aufwändig gefertigte Tafeln bei denen man an Feinmalerei denken möchte, doch ist es Marker, Buntstift, Tusche, Acrylfirnis auf Papier auf Holz – auch hier darf man der eigenen Einschätzung nicht trauen. Bei der Ikonografie verhält es sich nicht anders. Sobald man vermeint, ein Thema aus der Mythologie, Religion oder Kunst zu erkennen, bleibt man mit Interpretationsversuchen sogleich auf der Strecke und gerät darüber ins Grübeln über visuelle Traditionen und kulturelles Erbe. Wenn das Hündchen an einer Kette aus Chanel-Logos angeleint ist, an einer Pferndemähne Mercedessterne hängen oder die Hose des Helden das Signet eines Engergy-Drinks ziert, trifft Kunstgeschichte auf Konsumkultur, Trash auf Treasure.

Doch sind die singulären Werke ebenso Teil einer unauffällig komplexen Installation, die bisweilen zum Display wird. Da wurden Wandvorsprünge und Wandvertiefungen geschaffen, in denen die teils sehr speziell gerahmten Werke ihren Raum erhalten, Wände eingezogen, aus denen reich profilierte Gesimse kragen, als wären es Fundstücke von anderen Bauwerken. „Spoilen“ nennt Pinteritsch diese neue Werkgruppe und wie man halt so im Bildungsbürgertum sozialisiert ist, denkt man, klar, Spolien! Man kennt die Formen, doch kennt man sie wirklich aus der Architektur? Um den Werktitel nun auch anzuwenden: Bei genauerer Betrachtung erweisen sich die architektonischen Elemente als Formen, die man als Styroporverpackung von elektronischen Geräten kennt. Konsummüll statt Baukunst.

Oder, wie die Direktorin Hemma Schmutz im Pressetext zitiert wird: „Georg Pinteritsch gelingt es, historische Bildtraditionen mit der visuellen Gegenwart in Reibung zu bringen.“ Ja, und zwar so, dass es gewaltig knirscht.

Mehr Texte von Daniela Gregori

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Georg Pinteritsch - Im Dienst der Zugehörigkeit, in der Gruppe der echten Jungs, sich so zu verhalten, wie es belohnt wird
03.10.2025 - 11.01.2026

Lentos Kunstmuseum Linz
4020 Linz, Ernst-Koref-Promendade 1
Tel: +43 70 7070 36 00
Email: info@lentos.at
http://www.lentos.at
Öffnungszeiten: täglich außer Mo 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr


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