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viennacontemporary: Der Osten ist zurück!

Der viennacontemporary gelingt mit ihrer aktuellen Ausgabe ein Befreiungsschlag. Unter ihrer neuen Direktorin Abaseh Mirvali, die erst seit knapp fünf Monaten im Amt ist, hat die angeschlagene Kunstmesse zu einer neuen alten Identität gefunden. Der frische Wind wird schon beim Betreten der Halle D auf dem Messegelände spürbar. Die Rasterstruktur der Gänge wurde von der Architektin Claudia Cavallar etwas entzerrt und um 45 Grad gedreht, so dass sich von jedem Punkt Ausblicke ergeben, allerdings zwangsläufig auch einige tote Ecken.

Die wichtigste Veränderung ist jedoch inhaltlicher Natur. 38 der 97 ausstellenden Galerien stammen aus der CEE-Region, aus Österreich sind es 37. Central Eastern Europe ist seit jeher ein Schwerpunkt der Messe und im internationalen Zusammenhang das Markenzeichen Wiens, das in den letzten Jahren allerdings etwas an Glanz verloren hatte. „Alle Galerien aus der Region wollen nach Wien“ erzählt Catinka Tabacaru aus Bukarest und Harare, die zum ersten Mal dabei ist. Für einige der oft ganz jungen Galerien ist die viennacontemporary die erste internationale Messe, an der sie teilnehmen. So etwa für Himera aus Timișoara, die mit so erfrischenden wie günstigen Positionen aufwartet. Wandskulpturen von Taisia Corbuț (Jahrgang 1997) und Gemälde von Mihaela Coandă (1999) sind schon für knapp 1.000 Euro zu haben.

Der Messe ist offensichtlich an einem niederschwelligen Angebot gelegen, das auch jüngeres Publikum ansprechen soll. So haben zum Beispiel Student:innen am Freitag freien Eintritt. Um auch den Galerien aus den östlichen Ländern oder dem eigenen Nachwuchs ein passendes Angebot machen zu können, gibt es einige Sonderbereiche mit vergünstigten oder gesponserten Ständen. Mit der etablierten ZONE1, Emerging, Context und Vault gibt es neben dem Hauptfeld gleich vier solcher Formate. Was bei großen Messen mit über 200 Ausstellenden völlig in Ordnung geht und bisweilen sogar bei der Orientierung hilft, führt hier jedoch eher zu Verwirrung. Denn über die Hälfte der Galerien ist in diesen Bereichen untergekommen, wobei sich die Zuordnung oder gar der Sinn einzelner Sektionen nicht immer auf Anhieb erschließen. Dass sich neben der schon erwähnten Himera und der 2023 gegründeten Galerie Tkalka aus Maribor zumindest in Wien als mittlerweile gut etabliert geltende Galerien wie Kandlhofer oder Sophia Vonier aus Salzburg tummeln, will nicht unbedingt einleuchten. Die kleine Sektion „Vault“ versammelt laut Pressetext „acht internationale Galerien, die sich durch ihre gemeinsame Haltung zur künstlerischen Experimentierfreude und Entdeckung auszeichnen.“ Das ist eigentlich das, was man allgemein von einer Messe für zeitgenössische Kunst erwarten würde. Und wer hier nach der angekündigten Galerie Dependance aus Brüssel sucht, die man sonst eher auf Messen wie der Art Basel oder der Frieze antrifft, wird enttäuscht. Sie teilt sich den Stand mit Autokomanda aus Belgrad und ist lediglich über ihren Aufkleber an der Koje vertreten.

Immerhin, Richard Saltoun aus London und Rom ist erneut dabei, prominent am Eingang platziert, mit einer Gruppenausstellung der feministischen Künstler:innen Renate Bertlmann, Valie Export, Greta Schödl und Annegret Soltau. An Präsenz bekannter Galerien aus dem Westen war es das aber auch schon fast. Italien stellt überraschenderweise mit zehn Galerien die größte Gruppe. Rizzuto aus Palermo (und Düsseldorf) ist nach dem letzten Jahr jetzt zum zweiten Mal dabei. Wie aktuell viele Galerist:innen überdenkt Giovanni Rizzuto seine Messeteilnahmen. Gesetzt sind für ihn die Veranstaltungen in Bologna und Düsseldorf. Den Ausschlag für Wien dürften nicht zuletzt die im Vergleich günstigen Standmieten gegeben haben.

Eine Messe kann jedoch noch so günstig sein, am Ende müssen die Umsätze stimmen. Das könnte sich heuer für die Galerien ausgehen – bei der Eröffnung war die Stimmung gut, und es wurde durchaus verkauft, sowohl an einheimische wie an auswärtige Sammler:innen. Sogar einige Deutsche wurden gesichtet, obwohl zeitgleich die Art Week und die Messe Positions nach Berlin locken. Einen besonders schönen Umsatz konnte die Warschauer Galerie TBA verbuchen: Zusammen mit ihrer ukrainischen Künstlerin Kateryna Lysovenko erhielt sie den Münze Österreich Preis, dessen Dotierung von insgesamt 35.000 Euro eine Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst im nächsten Jahr parallel zur Messe beinhaltet. Die neu geschaffene Auszeichnung geht auf die Initiative Mirvalis zurück, die allein schon damit einen Pflock in Wien eingeschlagen hat.

Mehr Texte von Stefan Kobel

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viennacontemporary
11 - 14.09.2025

Messe Wien
1020 Wien, Messezentrum Wien Neu, Halle D
https://www.viennacontemporary.at
Öffnungszeiten: Fr , Sa 11 - 19 h, So 11-18 h


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