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Science/Fiction – A Non-History Of Plants: Wenn die KI von Pflanzen träumt

Das älteste Bildwerk in der Ausstellung Science/Fiction – A Non History of Plants ist keine Fotografie im heutigen Sinn. Die zarten Blätter, die sich schemenhaft abzeichnen, wurden von William Henry Fox Talbot mit dem von ihm entwickelten Verfahren der Kalotypie im Jahr 1844 zu Papier gebracht. Auch die jüngsten Bilder der Schau werden in keinem klassischen fotografischen Verfahren entwickelt, sondern in einem immersiven Gaming-Umfeld einer KI generiert.

Zwischen diesen beiden Polen des Beginns und des gegenwärtigen Stands der fotografischen Auseinandersetzung mit Natur und Pflanzen im weitesten Sinn, entfaltet sich im Foto Arsenal Wien eine abwechslungsreiche Tour über das Verhältnis von Pflanzen, ihrer Abbildung und uns Menschen. Gerade in Zeiten der Klimakrise rückt das Verhältnis zur Flora des Planeten und der Umgang damit wieder stärker in unser Bewusstsein. Die Ausstellungen zeigt aus unterschiedlichen Perspektiven wie sich der fotografische Blick auf die Pflanzenwelt entwickelt hat. So finden die frühen Pflanzenfotografien eines Karl Blossfeldt aus den 1920er Jahren, die noch geprägt waren von der Bewunderung für die Ästhetik, die selbst kleinsten pflanzlichen Strukturen innewohnt, ihre zeitgenössische Fortsetzung im „Museum of Plant Art“ von Almudena Romero, in der die 1986 geborene Künstlerin die Fähigkeit von Pflanzen zur ästhetischen Produktion hinterfragt, die damit indirekt auch ihre Umwelt gestalten.

Einen wissenschaftlichen Ansatz verfolgt Anaïs Tondeur in ihrer Dokumentation „Chernobyl Herbarium“, in der sie gemeinsam mit Biogentiker:innen Gewächse aus dem Sperrgebiet untersucht, die radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren. Fragen nach Verteilungsgerechtigkeit und Ernährungssicherheit stellte 1982 Agnes Dénes mit ihrem Projekt „Wheatfield“, in dem sie auf einer 8.000 m² großen Mülldeponie in Lower Manhattan ein Weizenfeld angelegt und dort über 500 Kilogramm Weizen geerntet hat. In der Ausstellung ist die Fotodokumentation des Projektes zu sehen. Krieg und Vertreibung sind die Themen des Iraners Gohar Dashti, in dessen Arbeiten die Pflanzen die Innenräume verlassener Gebäude erobert haben.

Einen humorigeren Blick eröffnet das Kapitel über die Rolle der Pflanzenwelt in der Science Fiction, etwa mit der bekannten fleischfressenden Blume im „Little Shop of Horrors“. Spekulativ wird es dann im KI-generierten Video „The Book of Flowers“ von Agnieszka Polska, in dem die Künstlerin einen Kosmos aus sich immer neu generierenden floralen Formen imaginiert.

Die Ausstellung bietet einen kurzweiligen, erhellenden und zum Nachdenken anregenden in sechs Kapitel gegliederten Rundgang durch die Geschichte und spekulative Zukunft der Verhältnisse von Menschheit und Flora aus dem Blickwinkel von historischen und aktuellen Bildtechnologien.

Mehr Texte von Werner Remm

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Science/Fiction – A Non-History Of Plants
04.10.2025 - 18.01.2026

Foto Arsenal Wien
1030 Wien, Arsenalplatz, Objekt 19
Tel: +43 1 521890
Email: office@fotoarsenalwien.at
https://www.fotoarsenalwien.at
Öffnungszeiten: Di-So 11-19 h


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