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Subjekt . Frau . Objekt: Nivellierung in Richtung Augenhöhe

Wenn es immer so einfach wäre, Gleichberechtigung zu demonstrieren. Gleich am Entrée zur Ausstellung stehen sich in Melitta Moschiks „Point of view“ (2000) zwei aus Fotografien entnommene stark vergrößerte Augenpartien schräg gegenüber. Es sind die Augen von Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre, als Paar das lebenslange Fanal einer gleichberechtigten Beziehung. Als die beiden sich 1929 kennenlernten, hatte man in Kärnten von institutioneller Stelle noch nicht begonnen, die aktuelle Kunstproduktion des Landes zu sammeln, das geschah erst ab 1933. Und da waren es nur Künstler, die in die Kollektion aufgenommen wurden, mit der vorerst überaus dürftigen Dokumentation von weiblichen Positionen wurde erst in den 1950er Jahren begonnen. Als man im MMKK nun daran ging, eine Ausstellung mit der Geschichte der weiblichen Kärntner Kunst vorzubereiten, musste man sich schnell eingestehen, dass dies Mut zu größeren Lücken oder ein anderes Konzept verlangte.

Statt einer chronologischen Entwicklungsgeschichte ist es nun ein Parcours durch thematische Räume geworden, statt einer reinen Künstlerinnenausstellung eine, bei der männliche Kollegen bisweilen ebenso eine Rolle spielen, doch mitnichten der Quote wegen. Sie liefern Impulse, andere zeigen konträre Blickrichtungen oder aber bedienen sich, wie im Falle von Eduard Lesjaks textiler Beschäftigung mit der Lyrikerin Christine Lavant, weiblich konnotierter Techniken. Mittlerweile ist es nun die 7. Ausstellung, die überwiegend auf die Bestände zurückgreift, als Co-Kuratorin hat sich die Direktorin des Hauses Christine Wetzlinger-Grundnig die Autorin und Regisseurin Ute Liepold ins Boot genommen, eine Zusammenarbeit, die augenscheinlich bestens funktioniert hat.

Wie bereits bei den vorhergehenden „fokus-Sammlung“-Ausstellungen trifft man auf gut Bekanntes wie auf Neues in überraschenden Konstellationen und inspirierenden Abfolgen. Wenn ein weiblicher Akt von Felix Esterl aus dem Jahr 1927 auf Ilse Hainders mehr als sechs Jahrzehnte später aus künstlichen Blütenstaubgefäßen aus Silikon zusammengefügten Pin-up-Kerl trifft und eine Fortsetzung in einem als Burka gelesenen, gemalten Stoffarrangement von Alina Kunitsyna findet, so ist dies inhaltlich wie visuell von einer überzeugenden Evidenz. Ebenso die Gegenüberstellung von Anton Koligs teilnahmslos blickender „Gailtalerin“ (1915) in ihrer Tracht mit dem fein plissierten weit ausladenden Unterrock, die ihr Pendant in Ines Doujaks „Brechlerinnen“ (2008/09) findet, die in einem Akt der Selbstermächtigung ihre Röcke schwingend, ihre Scham preisgeben.

Freilich ist einem der fragende Blick von Maria Lassnigs Selbstbildnissen vertraut, freut man sich über Kiki Kogelniks freche Popgesten, um die beiden wohl prominentesten in Kärnten geborenen Vertreterinnen ihrer Zunft zu nennen. Einer der frühen Stars der Sammlung ist das lange in den Tiefen der Depots verborgene selbstbewusste Autoporträt von Elisabeth Guttenberg-Sterneck (1935), die gleichsam das Gegenüber zu ihrer Klagenfurter Kollegin Bella Ban bildet, die sich für ihre Darstellung ihres Selbst von ihrem schwarzen Hut und einem lädierten Schirm mit rotem Griff, abgelegt an der Garderobe, vertreten lässt (2006).

 Ob die Künstlerinnen nun in im südlichsten Bundesland leben, ganz wo anders oder aber wie viele von ihnen immer wieder temporär zurückkehren, Inspiration wie Reibungsfläche zur Diskussion und widerständige Gesten sind und bleiben im Überfluss vorhanden. Wie könnte das besser dokumentiert werden als durch Ausstellungen, die mit aller Sorgfalt gedacht und gemacht sind.

Mehr Texte von Daniela Gregori

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Subjekt . Frau . Objekt
25.09.2025 - 15.02.2026

MMKK Museum Moderner Kunst Kärnten
9020 Klagenfurt, Burggasse 8/Domgasse
Tel: +43 50 536 30 507
Email: office.museum@ktn.gv.at
http://www.mmkk.at/
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr


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