Leopold Kessler - Arbeiten im öffentlichen Raum: Der schüchterne Korsar
Es ist Zeitgeist, sich einzumischen, zu eigen zu machen. Mitmischen, mitteilen, mit-gemeint-sein. Zu oft bleiben solche Interventionen seicht und scheinen nur bewirken zu wollen, die Konversation zu kapern. Leopold Kessler bringt mit seinen Arbeiten ein Zwinkern in diesen Zeitgeist - und eine Zartheit der Welt und ihrer Bevölkerung gegenüber.
Das Wien Museum im MUSA zeigt eine umfassende Mid-Career Schau Kesslers, kuratiert von Vincent Weisl. Wie der Künstler selbst scheint die Ausstellung sich selbst erfrischend unernst zu nehmen, ohne albern zu wirken. Videos der Interventionen im Stadtbild und ein paar Werke, die auch im Innenraum funktionieren. Irgendwie cool kommt die Schau daher, unaufgeregt, man bleibt stehen wo man stehen bleibt, und es lohnt sich stets. Aber die Arbeiten sind es gewohnt von gehetzten Vorübergehenden unbemerkt zu bleiben.
Einmal führt Kessler einen Schlauch von einem höher gelegenen Hotelpool nach unten zur Straße. Die Schwerkraft erledigt es von selbst, dass aus dem Schlauch ein kleiner provisorischer Springbrunnen wird. Einmal nutzt er das O einen Polizei-Schildes als Geldversteck. Einmal montiert er eine Platte vor einen Bankomaten, sodass das Grafitti restauriert wird, dass durch die Bank zerstört wurde. Es sind kleine Eingriffe, aber aussagekräftige.
Kurz gesagt, es wirkt understated. In Wirklichkeit sind die Interventionen oft mit beinahe idiosynkratischem Aufwand verbunden, den man ihnen mitunter auch ansieht, aber dieser dreht sich so herrlich wenig um die Künstlerseele selbst. Die Arbeiten sind für alle, oder vielmehr die, die stehenbleiben. Leopold Kessler spendiert Kaffee für kalte Tage und wechselt Glühbirnen für karge, kommentiert sein Umfeld auf ironische Art und Weise - und die Ausstellung scheint genau das auch zu tun. Das MUSA war so womöglich genau der richtige Ort, als Quasi-Underdog der Wiener Museumslandschaft. Es lohnt sich, stehen zu bleiben, geht man doch ein wenig leichtfüßiger weiter. Ein Schwung im Schritt, mit freundlicher Genehmigung von Leopold Kessler.
Mehr Texte von Veronika Metzger 11.09.2025 - 17.05.2026
MUSA
1010 Wien, Felderstraße 6-8, neben dem Rathaus
Tel: +43 (0)1 4000 8400, Fax: +43 (0)1 4000 99 8400
Email: musa@musa.at
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