Ana Berlin,
Urs Fischer, Koo Jeong-A: Mikrokosmos in Metropolen
Das Flagschiff der französischen Ausstellungshäuser, das Centre Pompidou, steuert mit einem im März eröffneten Raum, dem Espace 315 (trois-cent-quinze), neue Ufer an. Zielhafen ist eine junge internationale Generation von KünstlerInnen, die monographisch oder zu zweit den im Ostflügel des Hauses gelegenen Raum viermal im Jahr bespielen soll.
Um sich nicht selbst aus dem (Kunstzirkus-)Spiel zu nehmen und als Wechselausstellungen ausschließlich Publikumsmagneten der klassischen Moderne (derzeit Joan Miró) zu zeigen, setzt das Centre Pompidou auf Verjüngung.
Am Beginn der Reihe stehen zwei Künstler, die unterschiedlicher nicht sein könnten: einerseits, die in Wien bereits durch eine Secessions-Ausstellung bekannte, koreanische Künstlerin Koo Jeong-A und andererseits der Schweizer Urs Fischer. Beide stehen für einen zeitgenössischen Skulpturbegriff, beide verwenden Alltagsgegenstände als Ausgangmaterial und angeblich gingen auch beide von einer Atelier-Situation für die Ausstellung aus (laut Pressetext).
Koo Jeong-A, 1967 in Seoul geboren und seit 1991 in Paris lebend, kreiert in ihren Arbeiten Räume wie Inseln, die sensible Intimität suggerieren. Im von Besuchern wie von Ameisen überrannten Centre Pompidou ein gewagtes Unterfangen. Ihre Installation aus Billy-Regalen, Kaugummi-"Stössen", losen Zetteln, einer begonnen Zuckerstück-Mauer sind Beiläufigkeiten, temporäre, ephemere Zugeständnisse an Raum und Zeit. Ein angedeutetes Bett, Videos von vorüberziehenden Wolken, eine Ansammlung von Fotos, die ähnlich Nicht-Motive abbilden, ein Spiegel, der den Betrachter ins Konzept einbezieht - ein Rückzugsfeld aus den Millionenstädten, in denen die Künstlerin lebt. Der Mikrokosmos der Nebensächlichkeiten als Beweisführung für die eigene Existenz.
Ganz anders dazu der Schweizer Urs Fischer, dem zwar ebenfalls eine work-in-exhibitionspace - Spontaneität nachgesagt wird, in der überdimensionierten "Alice im Wunderland"- Ästhetik davon aber nicht mehr viel zu sehen ist. Eine wie aus Schweizer Käse fabrizierte Tür offeriert den Gang in einen Raum mit von der Decke stürzenden Plastilin-Regentropfen und zerberstenden, schwarz übergossenen Möbeln. Einrichtungsgegenstände, insbesondere Sessel sind dann auch, so kann man nachlesen, Fischers bevorzugte Objekte, aber nicht im Franz West
schen Sinne, sondern als "Prothesen der menschlichen Psyche". Nun, denn. Als nächstes steht amerikanische und deutsche Malerei am Espace 315-Programm, man darf auf die kuratorische Zusammenstellung gespannt sein.
Mehr Texte von Ana Berlin
Urs Fischer, Koo Jeong-A
10.03. - 10.05.2004
Espace 315, Centre Popidou
75191 Paris, Paris cedex 04
Tel: +33 (1) 44 78 12 33
http://www.centrepompidou.fr
Öffnungszeiten: täglich von 11.00 bis 21.00 Uhr
10.03. - 10.05.2004
Espace 315, Centre Popidou
75191 Paris, Paris cedex 04
Tel: +33 (1) 44 78 12 33
http://www.centrepompidou.fr
Öffnungszeiten: täglich von 11.00 bis 21.00 Uhr
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