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Wie sich der Herr Minister Gorbach einen Top-Forscher vorstellt

und dazu ein Programm namens "Brainpower Austria" präsentiert. Am letzten Donnerstag. Das Ziel: Österreichische Top-Forscher, die undankbar und ehrgeizig wie sie nun einmal sind, im Ausland ihr Forscherglück suchten, sollen mit "gezielten Maßnahmen" wieder in die heimatlichen Gefilde gelockt werden. Die erste Überlegung: Dazu braucht es einmal ein Programm. Da sichtlich ein englisch sprechender Mitdenker involviert war, wurde dasselbe - um auch das eigene Gehirnschmalz unter Beweis zu stellen - Brainpower Austria benannt. Die zweite Überlegung samt deren Nachüberlegungen: Man muss diesen undankbaren und ehrgeizigen Forschern etwas anbieten - da dieselben sonst im Stand sind, nicht fröhlichen Forscherherzens zurückzukommen. Forscher - vor allem wenn Top - sind ganz sicher weltfremd. Also nicht so wirklich des täglichen Lebens fähig. So ein Top-Forscher findet doch glatt in Österreich keinen Job. Also hilft Brainpower bei der Jobvermittlung. Und - um die Hilfestellung fast schon zu übertreiben - ist auch gleich eine Hilfe bei der Wohnungssuche dabei. Ist das nicht super?!? Aber jetzt kommt er erst, der Hilfestellungs-Höhepunkt: Da die Brainpower-Erfinder ganz genau wissen, wie wenig es in Österreich finanziell geschlagen hat, wird dem Top-Forscher auch noch tatkräftig bei der Suche nach Arbeit für seine Angehörigen geholfen. Besser kann ein Ministerberater den Slogan "Geiz ist geil" ministeriell wirklich nicht mehr umsetzen. Ich weiß jetzt natürlich nicht, ob der Infrastrukturminister bei der Präsentation dieses geilen Programms sein Gesicht wegen einer intensiven Schamröte hinter seinem Brainpower-Austria-Booklet versteckt hat. Ich hoffe es zumindest. Es sei denn, 95% der vorgetragenen Überlegungen hätten sich ausschließlich mit forschungs- und etatbedingten Aussagen beschäftigt. Also mit den künftigen Infrastrukturen der diversen Forschungsbereiche. Aber ich befürchte fast, so ein Unwort wie z.B. "Genforschung" ist unserem Minister nicht über die Lippen gekommen. Also bleibt mir nur zu hoffen übrig, dass der eine oder andere Top-Forscher in den USA meine Glosse liest und sich seine Rückkehr genau überlegt. Vor allem, wenn er in Österreich eine Wohnung oder vielleicht sogar schon einen kleinen Job in Aussicht hätte. Und die wenigen Top-Forscher die trotz allem noch immer gerne in Österreich arbeiten, sich aber unterbewohnt mit einer arbeitslosen Ehehälfte herumschlagen müssen, sollten zumindest für ein par Tage auswandern, um in den ministeriellen Genuss von einem austrianischen Brainpower-Rückkehr-Bonus zu kommen.

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1 Posting in diesem Forum
Was ist ein "Topforscher"??
Univ.-Doz. Dr. Heidrun Karlic | 29.03.2004 08:17 | antworten
1. Wenn man bei den Evaluierungen die Kosten bzw. MitarbeiterInnen pro Impaktfaktor einbezieht, wären wir "Österreich-treue" ForscherInnen wohl durchaus konkurrenzfähig. - 2. In meinem Fachgebiet beobachte ich schon seit einiger Zeit die Szene um Herrn Prof. Penninger, einem jener Rückkehrer. - Er hat in seinem neuen Institut mittlerweile 60 Leute angestellt, Österreicher(in) ist kein(e) dabei. Damit wird gewährleistet, dass meine KollegInnen weiterhin auswandern....

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