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So einfach wirds nicht gehen können

Noch vor der Eröffnung der Otto-Mühl-Ausstellung im MAK wurde die veröffentlichte Meinung "Ausstellung JA oder NEIN" für die Medienkonsumenten auf zwei Entscheidungsmöglichkeiten hinbanalisiert. Bin ich für die Mühl-Ausstellung, bin ich für eine sakrosankte Auslegung der Freiheit der Kunst, bin ich gegen diese Ausstellung, bin ich Anhänger und solcherart Vertreter des freiheitlichen Kunstmissverständnisses des gesunden Volksempfindens mit all seinen teils unappetitlichen Auswüchsen in Vergangenheit und Gegenwart. Und da diese beiden Positionen mit jeweils einem schlagenden Argument aufmunitionisiert sind, scheint für die Proponenten die Angelegenheit klar und eindeutig zu sein. Denn die Ausstellungsbefürworter bekommen von der sozialdemokratischen Wortmelderin das skurrile Argument mit auf ihren Befürwortungsweg, dass man zwischen Kunst und Künstler strikt zu unterscheiden habe. Und der sich als erster geoutete freiheitliche Ausstellungsgegner wirft ausschließlich das "problematische Vorleben" samt "sexueller Kontakte mit Minderjährigen" des Künstlers in die Waagschale. Aber so einfach wirds halt nicht gehen. Denn wie hätte die Ausstellungsbefürworterin argumentiert, wenn z.B. Dutroux vor seiner Entlarvung bereits ein anerkannter Künstler gewesen wäre? Dass dies ja dann wohl doch ein Riesenunterschied sei? Dann müsste sie aber auch für andere Verniedlichungsargumente empfänglich sein. Wie wäre es z.B. mit der Relation Zahl der Opfer in Konzentrationslagern zur moralischen Wertigkeit der Schuld. Und dass eine Ausstellung abgesagt und zu einer Wiedergutmachungsmanifestation für die Opfer umfunktioniert werden soll, ist möglicherweise griffig populistisch aber dafür ziemlich hinterhältig. Da könnte man nämlich gleich das gesamte Geld, dass für die ach so unbequeme Kunst ausgegeben wird, sparen, alle Museen schließen und statt dessen alles andere - was immer das dann jeweils sein soll - wieder gut machen. Es ist meiner Meinung nach wichtig, dass diese Ausstellung im MAK stattfindet. Sie wird viele dämliche aber hoffentlich auch einige vernünftige Reaktionen und Wortmeldungen provozieren. Und die vernünftigen davon werden hoffentlich mithelfen, bereit zu sein, sich eine wenn auch unbequeme eigene und differenziert sensible Meinung jenseits jeder unreflektierten Entweder-Oder-Festlegung leisten zu wollen.

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